Wer machts nun?


Marcel Koller wird also nicht Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Er hat dem SFV, der ihm am letzten Freitag eine Art Timeline für seine Entscheidung auferlegte, eine Absage erteilt. Fristgerecht immerhin, zum Anfang dieser Woche (wenn man den Mittwoch noch zum Anfang zählen will). Er sieht seine Aufgabe beim österreichischen Fussballverband, die er vor zwei Jahren in Angriff genommen hatte, noch nicht vollendet und möchte seine Aufbauarbeit mit der Qualifikation für die EURO 2016 krönen. Dieses Ziel hätte er auch mit der Schweiz angehen können – und die Aussichten mit beiden Nationen sind angesichts des auf 24 Teilnehmer erweiterten Endrundenfeldes nicht die schlechtesten. Koller also will nicht, und so, wie einst Christian Gross eine Anfrage zur Betreuung des Nationalteams ausschlug, tat es nun auch Koller.

Das ist für den SFV, der gerade eine der weltweit grössten Trainerpersönlichkeiten auf seiner Lohnliste wusste, natürlich ein Rückschlag, eine Enttäschung auch, die unter der gegebenen Ausgangslage nicht erwartet worden ist. Doch es ist auch nicht das Ende aller Nationalmannschaftstage, auch wenn es auf den ersten Blick schwer fällt, passende Alternativen zu Marcel Koller zu finden. Wir möchten dennoch ein paar (vielleicht aussichtslose und nicht in jedem Fall ernst gemeinte) Vorschläge machen, über die noch niemand nachgedacht hat, weil sie sich ausserhalb der üblichen Verdächtigen (Favre, Gross, Tami) bewegen:

Andy Egli

Weiss alles über den Schweizer Fussball, ist immer noch sehr lernbegierig, fleissig und als Nachwuchschef des FC Luzern an der Quelle der reichen Schweizer Talentlandschaft. Hat Motivationsfähigkeiten, die manchmal in der täglichen Arbeit als Vereinstrainer auch übers Ziel hinausschiessen mögen. Aber bei einer Nationalmannschaft könnte es genau das richtige Mass sein. Kann auch mit schwierigeren Spielertypen gut umgehen, wie sein noch heute gutes Verhältnis zu Alex Frei zeigt.

Thorsten Fink

Gerade beim Hamburger SV entlassen, ist er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Vielleicht noch etwas jung und stürmisch für den Posten eines Nationaltrainers, aber mit gutem Draht zu den jungen Spielern, die in diesem Team Leistungsträger sind (Xhaka, Shaqiri, Stocker usw.). Ihm müsste man in der neuen Funktion bloss noch beibringen, dass nicht alles Heil in der Offensive liegt…

Alain Geiger

Nach Heinz Hermann der Schweizer mit den meisten Länderspieleinsätzen (112). 1994 bei der ersten Schweizer WM nach 28 Jahren eine der tragenden Figuren im Konzept von Roy Hodgson. Danach als Trainer bei GC, Aarau, Lausanne und Neuchâtel Xamax tätig. Arbeitete in den letzten Jahren vor allem in Nordafrika und auch in Saudi-Arabien. Aktuell Trainer bei MC Algier in Algerien.

Roy Hodgson

Wenn uns schon die Österreicher Koller bereiten, warum sollen wir uns nicht bei einem anderen Verband bedienen? Und warum soll Roy Hodgson nach 1994 bis 1996 nicht eine fulminante zweite Amtszeit anhängen, der Karl Rappan ist schliesslich gleich dreimal als Nationaltrainer der Schweiz zurückgekommen, weil ihm kein besserer Job in den Sinn kam. Und die Engländer lassen ihn doch bestimmt ziehen…

Hanspeter Latour

Das Modell Köbi Kuhn. Väterliche Figur mit gutem Humor und durchaus Fussballsachverstand und der Fähigkeit, auch junges Personal zu motivieren. Ist allerdings seit einiger Zeit nicht mehr als aktiver Trainer tätig – es wäre das Comeback des Jahres.

Marco Schällibaum

Er hat YB in diesem Jahrtausend aus der Depression geführt und für viel Stimmung auf helvetischen Fussball- und Tribünenplätzen gesorgt. Seinen hochroten Kopf hat er als Markenzeichen auch mit nach Kanada getragen, wo er mit Montreal Impact erstmals die Playoffs der Major League Soccer erreichte und bewies, dass er auch mit ehemaligen Weltstars wie Alessandro Nesta und Marco di Vaio umgehen kann. Er wäre mit Sicherheit der explosivste Kandidat.

Kubilay Türkyilmaz

Als Kolumnist beim „Blick“ weiss er ja immer sehr genau, wie was zu funktionieren hätte. Nun kann er es endlich auch in leitender Funktion beweisen. Wir wären gespannt.

 

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