Vorhang auf für Tahiti


So ganz auf der Rechnung haben wir Fussballfreunde diesen Wettbewerb namens „Confederations Cup“ – oder zu Deutsch: „Konföderationen-Pokal“ – nicht. Oder sagen wir besser: noch nicht. Dieses Kräftemessen der erfolgreichsten Nationen an ihren Kontinental-Meisterschaften erfüllt im Grunde genommen ja auch nicht das sportliche Bedürfnis, die stärksten Kontinentalverbände zu finden, weil das sowieso Südamerika und Europa sind, sondern vielmehr ist es eine Standortbestimmung für den Veranstalter der kommenden WM-Endrunde. Und auch diese Aussage ist weniger sportlich als infrastrukturell zu verstehen.

Die FIFA also hat nun sechs Spielorte dieses „Konföderationen-Pokals“ bestätigt, der vom 15. bis 30. Juni 2013 in Brasilien stattfinden wird. Die Stadien sind zwar längst nicht fertig gestellt, aber selbst der Weltfussballverband sieht sich nun an einem „point of no return“, was nichts anderes heisst, als dass man den Brasilianern zutrauen muss (nicht will), diesen Kontinentalvergleich zu wagen. Insgesamt werden acht Teams an dieser Veranstaltung teilnehmen. Der Vertreter Afrikas wird erst anfangs 2013 ermittelt, die übrigen sind Gastgeber Brasilien, Spanien, Italien, Uruguay, Mexiko und … Tahiti!

Jawohl, Tahiti. Und damit erhält selbst dieser Wettbewerb plötzlich eine besondere sportliche Note. Denn für einmal müssen die Fussballer aus Französisch-Polynesien nicht in ihrem Stade Peter Te Hono Nui in Papeete kicken, sondern sie dürfen in den Arenen auflaufen, in die im Sommer 2014 die ganze Fussballwelt schauen wird! Für die Fédération Tahitienne de Football ist diese Teilnahme (das versteht sich von selbst) der grösste Erfolg der Verbandsgeschichte, wenngleich wir der Pazifikinsel Unrecht tun, wenn wir ihr Team der schönen Strände wegen in die Kiste der Fussballexoten stecken. Immerhin sind schon über 60 Jahre seit dem ersten Länderspiel Tahitis (2:2 gegen Neuseeland) vergangen.

Überdies hat Tahiti Rekorde aufgestellt, von denen wir Schweizer nur träumen können. Tahiti hat von allen Nationalmannschaften am häufigsten (zehn Mal) mit 13 oder mehr Toren gewonnen und hielt vom 7. September 1963 bis zum 1. April 1966 durch ein 18:0 gegen die Salomonen und vom 2. September 1971 bis zum 11. April 2001 durch ein 30:0 gegen die Cookinseln den Rekord für die höchsten Länderspielsiege. Da Tahiti und die Gegner zum Zeitpunkt der Spiele nicht Mitglied der FIFA waren, fehlen diese Spiele in den offiziellen Listen. Und zugegeben: Vielleicht hätte auch die Schweiz gegen die Cookinseln das eine oder andere Mal hoch gewonnen.

Den Weg nach Brasilien ebneten sich die Fussballer Tahitis am 10. Juni 2012: Da gelang ihr als erster pazifischer Nationalmannschaft überhaupt der Gewinn der Ozeanienmeisterschaft durch einen 1:0 Sieg gegen Neukaledonien im ersten Final, an dem weder Australien (seit 2006 nicht mehr Mitglied des OFC) noch Neuseeland beteiligt war. Keine Frage, Tahitis Auftritte in Brasilien werden wir uns anschauen!

 

Kommentare sind geschlossen.