18.08 Uhr


Ja, früher begannen die Fussballspiele um 20.00 Uhr. Schluss, Ende fertig. Noch früher, als noch nicht geflutlichtet und am Samstag in der werkfreudigen Schweiz noch gearbeitet wurde, am Sonntagnachmittag um 15 Uhr (im Winter vielleicht auch schon mal um viertel vor). Die Champions League hat sich auf eine Anspielzeit um 20.45 Uhr geeinigt, es sei denn es wird in der Ostukraine oder im Norden Russlands bei minusweissnichtwieviel Grad schon um 18.00 Uhr angepfiffen (mitteleuropäische Winter- oder Sommerzeit). In der Europa League haben sie die einmalige Anspielzeit von 21.05 Uhr eingeführt, damit der Block für Nachbereitung der 19.00 Uhr-Spiele (inkl. drei Werbeunterbrechungen) lang genug ist. Bei RTL übertragen sie die deutschen Spiele der EURO Qualifiers. In der Pause kommt (in dieser Reihenfolge): Blitzschnelle Abmoderation, Werbung, zurück ins Studio für gefühlte 20 Sekunden Aufbereitung der ersten Halbzeit (es reicht für einen schlauen Satz von Jens Lehmann, falls er gerade was Schlaues zusammenbringt), Werbung (nur ein Spot…), nochmals Werbung (noch 64 Sekunden…), nochmals Werbung (wir sind gleich zurück…), zurück ins Studio für gefühlte 15 Sekunden grafische Aufbereitung der ersten Halbzeit, noch einmal Werbung.

Also, das ist halt heute so. Das Fernsehen bestimmt den Rhythmus und nicht mehr der linke Flügel. Der Schiedsrichter steht beim Anpfiff zur ersten und zur zweiten Halbzeit verzweifelt im Mittelkreis, die Spieler halten sich seit Minuten warm (vor allem, wenn in der Ostukraine oder im Norden Russlands gespielt wird), der Schiedsrichter schaut nicht zum Mittelpunkt und auch nicht auf seine Uhr, auch nicht auf die Anzeigetafel oder zu seinen Assistenten, auch nicht zu den Torrichtern oder zu seinem Mikrofon, nein, er schaut zu einem Fernsehmenschen an der Seitenlinie, der dann das Zeichen gibt, wenn das letzte Erdinger leer und der letzte sporttip getippt ist, wenn also keine Werbebotschaft mehr zu machen ist und auch wieder Fussball gespielt werden kann. Dann kanns losgehen.

Nun wird das Testländerspiel der Schweiz am 31. März 2015 im Zürcher Letzigrund nicht um 20.00 Uhr, nicht um 20.45 Uhr, nicht um 20.30 Uhr, nicht um 19.00 Uhr und auch nicht um 21.05 Uhr angepfiffen. Sondern um 18.08 Uhr. Das hat folgende Bewandtnis: am selben Abend könnte noch ein Playoff-Final im Eishockey stattfinden (zum Glück aber kein Tennisturnier und auch kein Stechen im Springreiten und auch nicht der Schlussgang am Eidgenössischen“). Das Schweizer Fernsehen möchte, dass sich Playoff und Kickoff nicht überschneiden, deswegen möchte man so früh wie möglich den Ball rollen sehen, also am Vorabend, um 18 Uhr oder so. Nun, das amerikanische Fernsehen, FOX TV hat die Rechte an den US-Länderspielen, doch dort läuft just um 18 Uhr (also eigentlich um 12 Uhr bei ihnen) eine unverrückbare Nachrichtensendung, und Nachrichten sind wichtig in den USA, wichtiger jedenfalls als Fussball und selbst wichtiger als der Playofffinal zwischen Bern und irgendwem, den sie nicht übertragen. Die Fox News dauern (inkl. einem Werbeblock zum Ende) genau acht Minuten (warum eigentlich brauchen wir für die uns so heilige Tagesschau fast eine halbe Stunde?). Und dann solls gleich losgehen auf dem Letzigrund, um 18.08 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (die beginnt nämlich zwei Tage vorher, was zwar auf die Stunden, glücklicherweise aber nicht auf die Minuten Einfluss hat).

Also, wir sehen uns im Letzigrund, am 31. März 2015, acht ab säxi im Letzi. Go Switzerland!

 

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