Stock-Einsatz


Da fehlt doch etwas in diesem Titel… Ja, gestern war Valentinstag. Bernhard Thurnheer hatte es in seiner Reportage am Europa-League-Abend schon angekündig, morgen werden die Zeitungen alle schreiben, es sei Valentinstag gewesen. Und wer dann am Freitag morgen durch den Blätterwald surft, stellt fest, „Beni national“ hat noch Felder, in denen er uneingeschränkt die Wahrheit sagt. „Basler Zeitung“: Valentinstag. „Tageswoche“: Valentinstag. „Blick“: Valentinstag.

Ist aber auch wirklich extrem originell. Torschütze Valentin Stocker, Assistgeber Valentin Stocker, 2:0 gegen Dnjpor Dnjporpetrowsk. Und das bei diesem Schnee! Und bei dieser Kälte. Auf der Pressetribüne fand sich das kollektiv kumulierte schlechte Gewissen zusammen, dass die Frauen und Freundinnen sich nicht am Kerzenlicht über den mitgebrachten Rosenstrauss freuen durften, sondern ihren Männern um Mitternacht die kalten Klauen und Zehen warm massieren mussten.

Aber immerhin in einem Punkt hatten sie alle natürlich recht: Valentin Stocker war der Mann des Abends. Der kleine Innerschweizer hat ein Flair für besondere Auftritte. „Finalissima“, „Champions League“, „Europa League“ – da wird ihm warm ums Herz, und da zeigt er jeweils auf höherer Ebene seine Wertigkeit. Er mag schon Spiele hinter sich gebracht haben ohne enormen Einfluss. Stocker ist weder wahnsinnig schnell, noch wahnsinnig kräftig, noch wahnsinnig kopfballstark, noch extrem schussstark. Doch er hat diesen Instinkt, in wichtigen Momenten das Richtige zu tun. Andy Egli lobt seine Handlungsschnelligkeit, die im Fussball oft wichtiger ist als die Grundschnelligkeit.

Stocker hat schon im Nachwuchs gelernt, sich durchzusetzen gegen physisch stärkere Gegner. Er weiss sich zu wehren, er ist hartnäckig, unnachgiebig – und eben schwer auszurechnen. Beim 1:0 gegen Dnjpor stürzte er sich in ein aussichtsloses Kopfballduell. Aber sein Einsatz reichte, dass der Abwehrspieler nur ungenügend befreien konnte, Cabral nochmals Richtung Tor köpfelte und Stocker, einen am Boden liegenden Ukrainer in Sachen Offsideposition exakt beachtend, aus der Drehung allein vor dem Tor den Treffer markieren konnte. „Das war dann nicht mehr schwer“, sagte er hinterher lapidar. Nein, natürlich nicht. Aber dort zu warten, wo er stand, im Wissen, es könnte noch etwas gehen, das nennt sich Instinkt. Untrainierbar.

Stocker blieb auch dann gut, als der Schneefall immer dichter und die Lust der Ukrainer an der gepflegten Aufholjagd etwas kleiner wurde. Auf schwierigem Terrain kann er seine Qualitäten zusätzlich einbringen. Auf der Piste St. Jakob-Park war sein Stock-Einsatz letztlich entscheidend, um dem FC Basel den Sieg und der Schweiz Position 13 im UEFA-Ranking und somit einen direkten Champions-League-Qualifikationsplatz für den Schweizer Meister 2014 im Wettbewerb 2014/2015 zu sichern.

Dass Stockers Eckbälle gut sind, ist keine neue Erkenntnis. Dass er Marco Streller findet wie beim 2:0, auch nicht. Die beiden verstehen sich auf und neben dem Platz blind. Es ist eine fast schon brüderliche Beziehung, die die beiden pflegen. Und vielleicht hängt von ihr auch die Zukunftsplanung Stockers ab. Qualitäten wie die seinen werden über die Schweiz hinaus nachgefragt, das ist jetzt, da er sich, längst erholt von einem Kreuzbandriss, wieder in bester Verfassung zeigt, natürlich wieder aktuell. Viele sagen, Stocker werde im Sommer den Schritt ins Ausland wagen. Doch schon vor Jahren hat er gesagt, dass das, was kommen würde ennet den Grenzen, dann schon um einiges besser sein muss, als das, was er in Basel eben hat. Familienmensch Stocker braucht die Nestwärme. Die findet er in Basel in engen Freundschaften mit langjährigen Teamkollegen. Doch Benjamin Huggel ist schon nicht mehr da, Streller hat seinen Rücktritt auf 2014 angekündigt. Da macht sich auch Stocker Gedanken, wie sich das Gefüge in Basel entwickeln wird.

Die Mentalität des Teams wird sich unter Murat Yakin weiter verändern, der Trainer ist kein Freund der gepflegten Harmonie, sondern will Reibung, Konkurrenzkampf, stetiges Streben nach neuen Erfolgen. Dem will sich einer wie Stocker natürlich nicht entziehen, doch es ist auch klar, dass jetzt, wo sich vieles wandelt, vielleicht auch er die Zeit für einen Wechsel für gekommen hält. Die Leistungen stimmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ob unter den Anfragen, die dann eintreffen, etwas konkretes und etwas stimmiges ist, wird sich zeigen.

Die wahren Valentinstage, sie werden erst noch kommen.

 

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