Stadion zum 1:2


Es hat nicht sollen sein: 94. Minute, Freistoss für Chelsea, ein quer durch die spätere Schusslinie eilender Fabian Schär und der danebengreifende Yann Sommer. Das wars, der FC Basel hatte seinen ersten Halbfinal auf europäischer Ebene in der gesamten Club-Historie verloren. 1:2 im St. Jakob-Park. Die Aussichten fürs Rückspiel könnten rosiger sein.

1:2 im St. Jakob-Park? Hatten wir das nicht schon mal? Richtig. Und nicht nur einmal. Als kleine Erinnerung sei auf den 13. Mai 2006 verwiesen, als der FC Basel im letzten Saisonspiel gegen den FC Zürich nur noch Sekunden von der Meisterschaft entfernt war, als die Meistershirts schon übergestreift waren, die Champagnerkorken bereits geknallt hatten und kaum einer mehr daran gedacht hätte, dass noch ein Gegner auf dem Platz stand. Das euphorisierte Publikum hatte den FCB in der dichten Atmosphäre des grössten Schweizer Stadions weiter nach vorne getrieben, und die Rot-Blauen hatten sich treiben lassen – bis das Elend in Form eines zweiten Gegentreffer über sie hereinbrach. Filipescu schoss das 2:1 für den FCZ, im Stadion war es plötzlich so still, dass man einen Fanschal hätte fallen hören. Heute ist das Magazin des FC Zürich nach jener 93. Minute benannt.

Von der Euphorie gepackt wird im St. Jakob-Park aber nicht nur der FCB. Auch die Schweizer Nationalmannschaft lief am 11. Mai 2008 an ihrer EURO ins Verderben, als sie gegen die Türkei kurz vor Schluss ein für sie hoch willkommenes 1:1 mit Hurra-Fussball aufs Spiel setzte und prompt jenes Gegentor zum 1:2 kassierte, das letztlich das Ende aller EURO-Träume bedeutete. Ein Unentschieden hätte bedeutet, dass die Schweizer im abschliessenden Spiel gegen die bereits für die Viertelfinals qualifizierten Portugiesen ebenfalls die K.o.-Runde erreicht hätten.

Nun also erwischte es wieder den FC Basel, der nach dem späten Ausgleich das Gefühl hatte, noch mehr zu wollen – und dabei vergass, dass es auch noch ein Rückspiel gibt. Natürlich hätte Sommer den Ball halten können, aber in der Summe war es die dritte Torchance in der Nachspielzeit für den Gast. Der Treffer entsprach demnach durchaus einer gewissen Logik, weil die Basler durch ihren Torerfolg ganz offensichtlich aus der Konzentration gerissen worden waren. Statt mit einem 1:1 reist er nun mit einem 1:2 nach London, und das ist doch ein grosser Unterschied.

Nun denn; der FCB wird weitere Erfolge feiern im Stadion der späten zweiten Gegentore. Und er wird lernen müssen, auch in wunderbarem Ambiente mal auf den Ball zu stehen und die Luft aus dem Spiel zu nehmen, damit ihm genügend Luft für die nächsten Spiele bleibt.

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