Schlimme Finger


Eigentlich schaut man den Fussballern ja primär auf die Füsse. Manchmal aber kann man die Finger nicht von den Händen lassen. Und im Fussball gibt es ja vielerlei Fingerzeige. Hebt zum Beispiel ein Spieler den Daumen, um einen eben verpassten Pass zu kommentieren, dann meint er eigentlich das Gegenteil von dem, was der gehobene Daumen eigentlich symbolisieren muss. Seinem Mitspieler will er damit anzeigen, dass der Pass zwar gut gemeint, aber eben doch ziemlich daneben war. Aber im Sinne des kollektiven Denkens macht sich ein „Thumbs up“ eben ganz gut.

Mit den beiden Zeigefingern Richtung Himmel dankt (nicht nur der brasilianische) Fussballer dem Herrgott für eine besonders gelungene Aktion. Sebastian Vettel benutzt nur einen Zeigefinger, wenn er gewinnt, vielleicht deshalb, weil er nur sich selbst beglückwünschen will. Der liebe Gott mag zwar mitgefahren sein, aber am Steuer sass er nicht. Etwas aus der Mode ist der in Kombination mit dem Mittelfinger zum Victory-Zeichen erhobene Zeigefinger. Vielleicht deshalb, weil der Mittelfinger etwas zu stark in Verruf gekommen ist in den letzten Jahren, vor allem wenn er zum Solo ansetzt und sich seinem Gegenüber mit der Fingerkuppe voran zeigt. Das kommt nicht gut an beim Gegenüber, schon gar nicht, wenn das Gegenüber ein Schiedsrichter ist (obwohl der oberste Schiedsrichterchef des Weltfussballs zwar die Karten immer elegant mit Daumen und Zeigefinger in die Höhe zelebrierte, missmutigen Fans jedoch auch schon mal zeigte, dass auch Tessiner Hände eine goldene Mitte haben…).

Nun aber zum Mittelfinger der Nation. Ottmar Hitzfeld hat ihn sich selbst gezeigt (das ist, wenn man klassisch die Fingerkuppe voranschicken will, zum eigenen Angesicht hin gar nicht so einfach; probieren Sie es mal…). Warum er dabei parallel einen bösen Blick zu jenem Mann warf, der in seinen Entscheidungen nicht immer die goldene Mitte fand, gehört wohl auch zur Körpersprache. Weil zu jener gehört (auch der doppelte) Einsatz des Nachbarn des Ringfingers, wie der Nationaltrainer bei einer Ansprache an seine Mannschaft auf dem Trainingsplatz bewies. Dort zeigte er mit zwei Fingern an die beiden Gehirnhälften, wohl zum Zeichen, nun kühlen Kopf bewahren zu müssen in Island. Für diese Geste brauchen wir alle die beiden Zeigefinger, Hitzfeld aber die beiden Mittelfinger. Das heisst also definitiv, dass die mittleren Finger nicht stinken, sondern ganz einfach zur Zeichensprache gehören.

Das werden nicht alle so deuten, zumal es ja auch mit den Zeigefingern Richtung Gehirnhälfte so eine Sache ist. Nimmt man nämlich nur einen Finger und klopft noch ganz leicht an, bedeutet das etwas ganz anderes als Nachdenken… Es ist also nicht ganz so einfach mit den Fingern im Fussball. Am besten also Finger weg von Fingerspielen. Oder wenn, dann nur den kleinen Finger nehmen, denn der ist wohl der einzige, der nicht als schlimmer Finger missgedeutet werden kann.

 

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