Recht und Unrecht, hochgerechnet


Es ist immer wieder verblüffend, wie man Resultate von Fussballspielen interpretieren kann. Hätte der Schiedsrichter in jener Situation nicht das und wäre der Stürmer nicht vom Assistenten an der Linie und hätte und wäre und wenn und aber… Also nehmen wir doch das 4:0 des FC Basel gegen die Grasshoppers und rechnen mal all das erlittene Unrecht hoch. Getreu dem Motto des GC-Trainers Uli Forte, der nach dem Spiel erklärte: „Das Resultat sieht schlimmer aus, als es ist.“ Ein schöner Satz, fürwahr.

Und wo Forte nicht unrecht hat, da hat er nicht unrecht, denn statt 0:4 hätte dieses Spiel womöglich auch 2:5 oder 3:7 oder 1:3 enden dürfen, was allenfalls in der Endabrechnung des Torverhältnisses eine Rolle spielen könnte (oder auch nicht natürlich). Wie auch immer: Wir sezieren das Fussballspiel nach beidseits erlittenem Unrecht und stellen grundsätzlich fest: Es gibt keine Möglichkeit, dass GC dieses Spiel nicht verlieren konnte.

Szene 1: David Degen trifft zum 1:0 und weit und breit kein Anzeichen dafür, dass der Treffer irregulär sein könnte.

Szene 2: Der Assistent vor der Gegentribüne winkt David Degen aus dem Abseits zurück. Die Basler hätten zu zweit auf Bürki stürmen können und garantiert das 2:0 erzielt.

Szene 3: Marco Streller winkt in Richtung der anwesenden Unparteiischen, er sei bei seinem Kopfballtreffer nicht abseits gestanden. Falsch. Es wäre beim 2:0 geblieben.

Szene 4: Penalty für Basel nach einem „Billardfoul“, wobei unbestritten ist, dass Grichting Stocker im Fallen am Weiterführen der Aktion hindert. Also Penalty und damit 3:0.

Szene 5: Fabian Frei wirft sich mit dem Rücken zum Schützen in einem Schuss, der Ball klatsch an seinen Arm. Theoretisch Penalty – also gemäss Wahrscheinlichkeitsrechnung, dass Penaltys in der Mehrheit der Fälle zum Torerfolg führen, 3:1.

Szene 6: David Degen übersieht zwei besser postierte Mitspieler und statt 4:1 steht es noch immer 3:1. Weil aber David Degen solches schon früher getan hat (etwa in der Champions League-Qualifikation 2005 gegen Werder Bremen), lässt sich hier nicht schlüssig auf Tor entscheiden. Also weiterhin 3:1.

Szene 7: Tor Nummer 1 von Alex Frei. Eine knappe Geschichte, aber getreu dem Motto, dass im Zweifelsfall für den Stürmer gewunken werden soll, korrekt. Also 4:1 für den FCB.

Szene 8: Tor Nummer 2 von Alex Frei. Keine Frage, hier hätte der Assistent winken müssen. Also weiterhin 4:1 für den FCB.

Demnach kommen wir zu folgender Schlussfolgerung: Uli Fortes Analyse war treffend – gemessen am „anderen“ möglichen Verlauf der 94 Minuten hätte das Spiel tatsächlich auch 1:4 statt 0:4 enden können. Aber eigentlich macht es schon Sinn, Ergebnisse von Fussballspielen in Toren zu messen und nicht nach hochgerechnetem Recht und Unrecht.

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