Ramseyer, Rudolf


Alias: "Rüedu"
Geburtstag: 17. September 1897
Todestag: 13. September 1943
Position: Linker Flügel, später Verteidiger
Nationalmannschaft: Erstes Länderspiel: 27. Juni 1920 gegen Deutschland in Zürich (4:1)
Letztes Länderspiel: 12. Dezember 1926 gegen Österreich in Wien (0:2)
Länderspiele: 59
Tore: 5
Olympia Teilnahmen: 1924, 1928
Stationen: 1913-1914 FC Helvetia Bern
1914-1916 FC Bern
1916-1917 FC Baden
1917-1918 FC La Chaux-de-Fonds
1918-1925 BSC Young Boys
1925-1933 FC Bern
Erfolge: Schweizer Meister 1920 (mit YB)
Schweizer Cup Finalteilnahme 1926
(mit FC Bern; 1:2 gegen GC)
  • In jungen Jahren musste Rudolf Ramseyer, aufgewachsen im Berner Quartier Breitenrain, noch heimlich Fussball spielen. Sein Vater, ein aufrechter Turner und Schütze, war gegen den Fussball. Sein Sohn sollte dereinst das familieneigene Baugeschäft übernehmen
  • Als junger Mann spielte er innerhalb von fünf Jahren für vier verschiedene Clubs, ehe er 1918 beim BSC Young Boys seine Heimat fand
  • Dort agierte der kraftvolle Beidfüsser zunächst als linker Flügel, 1920 wurde er erstmals Schweizer Meister mit YB und erhielt sein erstes Aufgebot für die Nationalmannschaft. Beim ersten Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft nach sechs Jahren Pause (1. Weltkrieg) erzielte „Rüedu“ am 27. Juni 1924 auf dem Zürcher Utogrund das vierte Schweizer Tor zum 4:1-Erfolg. Die Westschweizer Spieler boykottierten die Partie gegen Deutschland aus politischen Gründen
  • Nach dem zweiten Meisterschaftsrang 1920/21 – das entscheidende Finalspiel gegen GC ging verloren – hätte YB ein Jahr später erneut um die Meisterschaft spielen können. Doch aufgrund von Protesten und Verbandsstreitigkeiten wurde YB als Zentralschweizer Meister aber nicht für die Finalspiele gegen Young Fellows Zürich und Servette zugelassen. Ein Meister wurde jedoch am Ende nicht gekürt
  • Mitte 1923 wechselt Ramseyer im Nationalteam auf die Verteidigerposition und war am 27. Juni 1923 gegen Norwegen erstmals Captain der Schweiz
  • Seinen Höhepunkt erlebte Ramseyer mit der Schweizer Auswahl an den Olympischen Spielen 1924, wo er an der Seite von Adolphe Reymond das Schweizer Verteidigerpaar bildete. Mit Siegen gegen Litauen (9:0, Vorrunde), Tschechien (1:1 und 1:0 im Wiederholungsspiel des Achtelfinals), Italien (2:1 im Viertelfinal) und Schweden (2:1 im Halbfinal) zog die Schweiz sensationell ins Olympiafinal von Paris ein, wo es gegen Uruguay eine 0:3-Niederlage absetzte. Die Schweiz war inoffizieller Europameister
  • Weil beim Bau des Wankdorfstadions das Geschäft der Familie nicht berücksichtigt worden wr, wechselte Ramseyer 1924 aus Verärgerung von YB zum Lokalrivalen FC Bern. Mit diesem erreichte er 1925/26 bei der ersten Austragung des Schweizer Cups den Final, verlor jedoch an der Seite seines Verteidigungspartners Jakob Schneebeli gegen GC mit 1:2. Ramseyer war längst zu einem der standhaftesten Abwehrspieler der Schweiz geworden
  • Am 12. Dezember 1926 gewann die Schweiz in München gegen Deutschland mit 3:2 – Ramseyer war ab diesem Zeitpunkt der Schweizer Rekordinternationale. Er war der erste Fussballer, der die Marke von 50 Länderspielen erreichte, was ihm die Ehrenmitgliedschaft im SFV eintrug
  • 1928 erlebte er, als Schweizer Captain, seine zweiten Olympischen Spiele in Amsterdam. Die Schweiz schied aber schon in der ersten Runde nach einer Niederlage gegen Deutschland aus.
  • Bei seinem letzten Einsatz am 16. Juni 1931 in Wien gegen Österreich (0:2, Ramseyer verteidigte mit Severino Minelli) hatte er im Alter von fast 34 Jahren 59 Länderspiele bestritten. Er spielte jedoch national noch zwei Jahre weiter, hörte 1933 definitiv mit dem Fussball auf und übernahm tatsächlich das familieneigene Baugeschäft
  • 1943 erlag er, erst 46-jährig, einem Schlaganfall. Ramseyer war einer der populärsten Fussballer seiner Zeit, weil er grosse Zweikampfstärke und Entschlossenheit an den Tag legen konnte, und ein einfacher, fröhlicher Typ war.
  • Bei den Gegnern war er gefürchtet, ein geflügeltes Wort war: „Wo Rudolf Ramseyer spielt, wächst kein Gras mehr.“