Ouhh-lympia


Pierluigi Tami lächelt süffisant, als er bei der Bekanntgabe seines Olympiakaders gefragt wird, ob er die Abwesenheit eines Spielers speziell bedauern würde. Er holt tief Luft, will irgendwas sagen. Dann sagt er: „Lassen Sie uns über diejenigen Spieler sprechen, die dabei sind.“ Mit diesen sei er „sehr zufrieden“. Ob Granit Xhaka wirklich mitmachen wird, löst sich erst in den nächsten Tagen auf, bei Yann Sommer und Xherdan Shaqiri, Stützen bei der U21-EM, an der sich die Schweiz im Sommer 2011 den Olympiaplatz gesichert hatte, musste Tami schon vorzeitig kapitulieren.

Es gibt zuviele Interessenkonflikte. Die Schweizer Vereine spielen schon in der Super League, einige von ihnen stellen die Qualifikation für die Champions League und die Europa League klar in den Fokus. Fussballer, die in diesem Sommer den Verein gewechselt haben, möchten sich in erster Linie dort empfehlen und möglichst wenig verpassen in der Vorbereitung unter dem neuen Trainer und mit den neuen Kollegen. Dazu kommt, dass Tami auch berücksichtigen wollte, wer sich Verdienste um die Olympiaqualifikation erworben hatte – und wer sich letztlich bedingungslos hinter der Projekt Olympia gestellt hatte. Am Ende entstand eine Art unheilige Allianz, durchs Sieb der Absageargumente fielen jene 18 Spieler, die nicht „Ouhhh“ sagten zu Olympia, die statt Ouhh-lympia die Einmaligkeit des Erlebnisses in Grossbritannien heraushoben.

Nun also steht die Olympialiste. Am Ende der Kompromisse steht Tami deswegen noch nicht. Er wird nicht alle Spieler zum Vorbereitungsstart am 10. Juli an Bord haben, den einen oder anderen Akteur wird er womöglich erst knapp vor Turnierbeginn in seiner Nähe wissen. Es ist nun entschieden, aber diskutiert wird weiter. Es ist eine heikle Mission, aber eine spannende zugleich.

Das Schweizer Olympiakader

Tor: Diego Benaglio (VfL Wolfsburg/De), Benjamin Siegrist (Aston Villa/Eng).

Abwehr: François Affolter (Werder Bremen/De), Fabio Daprela (Brescia/It), Timm Klose (Nürnberg/De), Michael Morganella (Novara/Palermo/It), Ricardo Rodriguez (Wolfsburg/De), Fabian Schär (Wil).

Mittelfeld: Amir Abrashi (GC), Valon Behrami (Fiorentina/It), Fabian Frei (Basel), Pajtim Kasami (Fulham/Eng), Alain Wiss (Luzern), Granit Xhaka (Borussia Mönchenglladbach/De).

Angriff: Josip Drmic (FCZ), Innocent Emeghara (Lorient/Fr), Admir Mehmedi (Dynamo Kiew/Ukr), Steven Zuber (GC).

 

Zusätzlich darf Pierluigi Tami bis zum Nominationsschluss (6. Juli) vier Pikettspieler benennen. Dort stehen Spieler wie Roman Bürki, Oliver Buff oder Toko im Fokus.

 

 

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