Nebel um Knäbel


Also, das war so: Es rief ein Verein aus einer norddeutschen Stadt an, in der der Deutsche schon einmal gespielt hatte, allerdings für den anderen Club. Der Deutsche ist eigentlich ein „Schweizer“, so wie Ottmar Hitzfeld, der Lörracher, ja eigentlich auch ein „Schweizer“ war. Und Rolf Fringer auch. Und Helmut Benthaus auch. Der Deutsche hatte einen guten Job bei einem nicht unbedeutenden Sportverband in der Schweiz, er hatte dort viel bewegt in den vergangenen Jahren, so wie er auch in den Nachwuchsabteilungen des FC Winterthur und des FC Basel viel bewegt hatte. Noch vor wenigen Monaten hatte er mit seiner Familie ein Haus in Riehen, der Basler Vorstadtgemeinde, gebaut. Es schien irgendwie, der Mann werde hier pensioniert.

Aber der Fussball ist ein Geschäft der Anreize – und der Anruf aus der norddeutschen Stadt war mindestens so reizvoll, sich die Sache ernsthaft zu überlegen. Es gab ein paar Flüge, vom Norden hier in den Süden, und von hier in den Norden, nach Hamburg. Es gab ein paar Tage Bedenkzeit, doch irgendwann fällte der Deutsche den Entscheid, sich der neuen Herausforderung zu stellen. In Hamburg spielen ja auch zwei Schweizer Nationalspieler, Johan Djourou und Valon Behrami. Und es arbeitet Patrick Rahmen dort, ein Mann, den – wir machen nun kein Geheimnis mehr um seinen Namen – Peter Knäbel damals beim FC Basel auch schon gefördert hatte. Es passte also einiges zusammen. Natürlich. Es gibt in Hamburg einen neuen Chef, Dietmar Beiersdorfer. Es gab einen anderen Sportdirektor mit Basler Vergangenheit, Oliver Kreuzer. Es gibt einen Geldgeber, der gerne poltert (nicht selten im modernen Fussball). Und natürlich gab es auch schon einen Trainerwechsel. Mirko Slomka musste gehen, es rückte Joe Zinnbauer nach, den man nach den ersten Punkten gleich mit einem langfristigen Vertrag ausstattete. Nun also ist Peter Knäbel in Hamburg, so richtig rund laufen will es trotz seines positiven Einflusses nicht, die Hamburger stehen immer noch (oder wieder) auf einem Abstiegsplatz.

Nun, was interesssiert uns das alles? Wir müssen den Spiess umdrehen. Beim Schweizerischen Fussballverband kümmert man sich vorderhand nicht an vorderster Front um die schnelle Nachfolge des verlorenen Technischen Direktors. Die Strukturen in dieser Abteilung sind, auch dank Knäbels Arbeit, so gut eingespielt, dass ein Team aus Fachkräften die Aufgaben auch ohne ihren Direktor bewältigen kann. Nun wollen wir natürlich nicht böse sein, doch mit dem Abgang von Knäbel scheint sich ein bisschen Nebel auf die bislang so strahlende Erfolgsgeschichte der Schweizer Nachwuchsauswahlen gelegt zu haben. Die U17 wurde 2009 unter Dany Ryser in Nigeria Weltmeister, fünf Jahre später machte sich ebendieser Ryser mit seinen neuen Talenten auf nach Belgien, um die erste Qualifikationsrunde zur EM 2015 zu überstehen. Die Aufgabe schien machbar, es warteten Belgien, Bosnien-Herzegowina und Aserbaidschan. Und alles schien sich zu verschwören gegen die Schweizer. Das erste Spiel gegen Bosnien ging 0:1 verloren, der Gegentreffer fiel in der dritten Nachspielminute. Pech, aber noch nicht das komplette Unglück. Gegen Aserbaidschan würde man die Startniederlage schnell korrigieren können. Doch hoppala: nach einer 1:0-Führung gab man das Spiel noch aus der Hand, verlor 1:2. Da nützte auch der Sieg gegen den Gruppenersten Belgien zum Abschluss nichts mehr. Besonders bitter: von vier Teams qualifizierten sich drei dieser Gruppe für die nächste Stufe. Die Schweiz, Nummer 9 der aktuellen U17-Europarangliste, aber muss das Jahr 2015 ohne Elite-Runde und EM-Endrunde durchleben. Ein Umstand, wie er lange nicht mehr vorkam.

Hat das alles mit dem fehlenden Karma von Knäbel zu tun? Wohl kaum – es ist womöglich nur ein resultatmässiger Ausschlag nach unten. Man hat sich an vieles gewöhnt in den vergangenen Jahren. Die U19 der Schweiz startet am 13. November zu ihrer Qualifikationsrunde. In Irland will das Team von Heinz Moser eine Runde weiterkommen, gegen den Gastgeber, Malta und Gibraltar müsste dies nun wirklich Formsache sein. Mit Nico Elvedi und Dimitri Oberlin sind auch zwei Spieler des FC Zürich im Aufgebot, die schon Luft in der Schweizer Super League geschnuppert haben. Der Nebel um Knäbel müsste sich also schon bald verziehen…

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