Mit fremder Hilfe


Nein, so richtig Mut musste einem der Auftritt der Schweizer Frauen im Commonwealth Stadium von Edmonton nicht machen. Es war ein fahriges Spiel, die Schweizerinnen verpassten in der besseren ersten Halbzeit eine höhe Führung als das 1:0 – und sie verloren nach dem schnellen Ausgleich in der zweiten Spielhälfte durch die nun viel aufsässigeren und leidenschaftlicheren Afrikanerinnen den Faden und jegliche Kontrolle über ihr eigenes und das gegnerische Spiel. Sie waren nicht in der Lage, dem wilden Stil Kameruns irgendetwas entgegenzuhalten, sie blieben ohne Zusammenhang, nicht zu einer Reaktion fähig. Es fehlte an Struktur.

An was lag es? Punkt 1: Die Schweizerinnen treffen an dieser WM als Neuling auf neue Fussballkulturen. Gegen alle drei Vorrundengegner haben sie nie zuvor in der seit 1972 bestehenden Länderspielgeschichte eine Partie ausgetragen. Sich darauf einzustellen, noch dazu auf drei komplett verschiedene Anforderungen aus drei Kontinenten, ist nicht ganz einfach. Punkt 2: Die Schweizerinnen sind noch ohne jede internationale Turniererfahrung, sieht man einmal von regelmässigen Teilnahmen an den Winterturnieren in Zypern oder Portugal ab. Sie wussten, ein Punkt reicht gegen Kamerun zur sicheren Achtelfinalqualifikation. Sie wussten mit der Wende zum Schlechten nicht umgehen, waren mental darauf kaum vorbereitet. Punkt 3: Mit Captain Caroline Abbé fehlte eine kompromisslose Abwehrspielerin, die den wirbligen Angreiferinnen Kameruns etwas entgegenzusetzen gehabt hätte. Lara Dickenmann bewegte sich offensichtlich angeschlagen über den Platz, Vanessa Bernauer, die im Zentrum die weit bessere Lösung darstellt als Rahel Kiwic, kam eben erst von einer Fussverletzung wieder ins Team. Ramona Bachmann erweckt den Eindruck, dass sie vieles allein entscheiden möchte. Kurzum: Es passte nicht mehr viel zusammen im Schweizer Team. Und dennoch durfte man rund zwei Stunden nach der Enttäuschung beim Schlusspfiff die Achtelfinalqualifikation dank fremder Hilfe feiern. Nigeria hatte gegen die USA verloren, Schweden spielte nur Unentschieden, das reichte, um mit Thailand und den Schwedinnen zwei Gruppendritte hinter sich zu wissen, die über die schlechtere Tordifferenz verfügen. Das 10:1 gegen Ecuador also als später Segen dieser Vorrunde.

Nun gibts in der Nacht vom kommenden Montag auf den Dienstag – wieder in Vancouver – das Highlight gegen Gastgeber Kanada. Der ist natürlich Favorit, aber die Schweizerinnen haben einen Vorteil in der Hand. Sie haben diesmal nichts zu verlieren. Es erwartet sie die grösste Kulisse in den bisher 274 Schweizer Länderspielen. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2002, als in Schweden 20302 Fans im Räsunda-Stadion von Solna sassen und einen 4:0-Sieg der Skandinavierinnen sahen. Gegen Kanada hat die Schweiz von bisher vier Vergleichen noch keinen gewonnen. Es wäre kein schlechter Moment, daran etwas zu ändern…

 

Die bisherigen Spiele gegen Kanada

Testspiel, Cyprus Women’s Cup, Vorrunde, Gruppe B
Kanada – Schweiz 2:0 (1:0)
6. März 2013, 14.30 Uhr. – GSZ Stadium, Larnaca/Zyp. – 50 Zuschauer. – SR Husballe (Dä). – Tore: 2. Schmidt 1:0. 79. Matheson 2:0.
Kanada: McLeod; Wilkinson (86. Gayle), Moscato, Buchanan (73. Zurrer), Stewart (73. Booth); Scott (46. Kyle), Matheson, Schmidt (86. Lawrence); Oduro (63. Julien), Filigno, Leon.
Schweiz: Thalmann; Remund (57. Betschart), Abbé, Keller (57. Crnogorcevic; 76. Kuster), Maritz; Bernauer, Dickenmann, Maendly (42. Moser), Wälti; Bürki (68. Humm), Bachmann. – Nationaltrainerin: Martina Voss-Tecklenburg.
Bemerkungen: Schweiz ohne Oehrli, Kiwic (beide nicht eingesetzt). – 52. Tor Dickenmanns wegen Offside annulliert. 89. Schuss Juliens an Querlatte.

Testspiel
Schweiz – Kanada 1:2 (1:1)
18. Mai 2011, 18.00 Uhr. – GC-Campus, Niederhasli. – 350 Zuschauer. – SR Ghisletta (Sz). – Tore: 7. Crnogorcevic 1:0. 31. Abbé (ET) 1:1. 59. Julien 1:2.
Schweiz: Brunner; Betschart (Zürich; 56. Meyer), Graf, Abbé, Kuster; Dickenmann, Mehmeti (71. Bernauer),
Keller (78. Pittet); Moser, Crnogorcevic, Bachmann. – Nationaltrainerin: Béatrice von Siebenthal.
Kanada: LeBlanc; Zurrer, Kyle (46. Parker), Wilkinson (72. Gayle), Matheson; Chapman, Julien (62. Scott), Sinclair, Schmidt (81. Moscato); Filigno (68. Baxter), Nault (63. Stewart).
Bemerkungen: Schweiz ohne Oehrli, Gillioz, Beutler, Bartlomé (alle nicht eingesetzt).

Testspiel
Kanada – Schweiz 1:1 (0:1)
15. Mai 2011, 14.00 Uhr. – Mancini Park Hotel, Rom/It. – Keine Zuschauer (Wunsch Kanada). – SR Fiammetta (It). – Tore: 40. Abbé 0:1. 65. Kyle 1:1.
Kanada: McLeod; Zurrer, Moscato (46. Chapman), Kyle, Matheson; Sinclair, Schmidt (77. McCalla), Tancredi (7. Buckland; 55. Scott), Filigno (64. Robinson); Nault, Baxter (46. Wilkinson).
Schweiz: Brunner; Remund (79. Beutler), Graf, Abbé, Kuster; Gillioz (75. Bartlomé), Marina Keller (90. Bernauer), Mehmeti; Moser, Crnogorcevic (46. Meyer), Bachmann (63. Keller). – Nationaltrainerin: Béatrice von Siebenthal.
Bemerkungen: Schweiz ohne Oehrli, Pittet (beide nicht eingesetzt).

Testspiel, Cyprus Women’s Cup, Vorrunde, Gruppe B
Schweiz – Kanada 1:2 (1:1)
24. Februar 2010, 14.00 Uhr. – Ammochotos Stadium, Larnaca (Zyp). – 75 Zuschauer. – SR Efter (Malta). – Tore: 23. Dickenmann 1:0. 26. Sinclair(Foulpenalty) 1:1. 53. Julien 1:2.
Schweiz: Brunner; Stein, Egli (84. Mehmeti), Abbé, Graf (74. Betschart); Bürki; Beney (58. Moser), Dickenmann, Meyer (40. Kuster); Crnogorcevic, Bachmann. – Nationaltrainerin: Béatrice von Siebenthal.
Kanada: LeBlanc; Zurrer, Julien (72. Scott), Wilkinson, Matheson; Chapman, Robinson (80. Raber), Parker (88. Walsh), Sinclair; Moscato, Nault.

Quelle: www.fussball-schweiz.ch

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