London, Paris, Amsterdam…, Piräus


Das war er also, der erste Länderspieltestabend des Jahres 2013. Wer Argumente sammeln wollte für diesen frühen Termin, der durfte sich in Paris überzeugen lassen, wo sich Frankreich und Deutschland beim 1:2 ein Duell auf höchstem Niveau leisteten. Technik, Übersicht, Rhythmus, Tore, ein Genuss für den Fussballästheten. Er durfte auch nach Amsterdam schauen, wo die Holländer vor orange bekleidetem Publikum in ihren neuen rot-weiss-blauen Trikots (sie erinnern mehr an Kroatien als an „Oranje“) und mit der jüngsten Besetzung aller Zeiten gegen Italien antraten, stark aufspielten und erst in der Nachspielzeit mit dem 1:1-Ausgleich der Italiener den verdienten Lohn verpassten. Louis van Gaals Team hatte ein Durchschnittsalter von 22 Jahren. In Schweden massen sich Zlatan Ibrahimovic und Lionel Messi (2:3), in London Wayne Rooney und die nicht rundum austrainierten Brasilianer (2:1). Kurz gesagt, es gab einige frühe fussballerische Highlights, bei denen keiner die Sinnfrage stellen musste.

Nur in Piräus war die Lage eine wenig aufgeregte. Griechenland wollte (oder konnte) nicht mehr tun vor heimischen Publikum, die Schweizer konzentrierten sich darauf, taktisch diszipliniert zu spielen und Ottmar Hitzfeld sagte hinterher, es sei klar, dass „wenn sich zwei Teams neutralisieren und in den Zweikämpfen stark sind, kein interessantes Spiel entstehen kann“. Die Nullnummer hätte wohl keiner gebraucht, auch nicht die Schweizer, die schon im vergangenen Herbst ihre Formation und ihre Stabilität gefunden haben und gar nicht viel Bedarf an Experimenten haben. Hitzfeld wird trotz aller Umstände, zuletzt verletzten oder in ihren Clubs kaum eingesetzten Spielern, an seiner Linie festhalten, auch deshalb, weil er damit bislang gut gefahren ist. Ein Djourou, ein Barnetta, ein Derdiyok und andere mehr – sie alle haben die Bühne Nationalmannschaft genutzt, um einen Gegenpunkt zu ihrer Situation im Club zu setzen. Das stärkt die Solidarität im Schweizer Team, die letztlich nötig ist, um das grosse Ziel „WM 2014“ zu erreichen.

Auch in Piräus blieben, nach dem fast schon herbeigesehnten Schlusspfiff, ganz wenige Erkenntnisse. Pirmin Schwegler war gut, das wusste man schon vorher, aber dennoch dürfte für ihn im Duell mit den im Nationalteam etablierten Valon Behrami, Gökhan Inler und selbst Blerim Dzemaili kein Platz im Aufbauzentrum frei werden. Und im Angriff können die Schweizer bis zum 23. März in Nikosia auch wieder auf die am Mittwoch verletzt ausgefallenen Xherdan Shaqiri und Eren Derdiyok zurückgreifen, die mit ihrer individuellen Klasse gegen Zypern sehr wichtig sein werden.

Bleibt die Torhüterfrage, und dort ist man auch nach den 90 Minuten von Griechenland so schlau als wie zuvor. Klar, könnte man den Vertrauensvorschuss gegenüber Yann Sommer, der nun die letzten beiden Länderspiele über die volle Spielzeit bestreiten durfte, anders als Ottmar Hitzfeld selbst als Signal deuten. Der Nationaltrainer bemühte sich, mit Nachdruck darauf aufmerksam zu machen, dass der Einsatz von Sommer kein Präjudiz für die WM-Qualifikation gewesen sei. Aber nur er selbst weiss, ob das wirklich so war. Hitzfeld ist lange genug im Geschäft, um in Sachen Kommunikation die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Und er weiss auch, dass bis zum 23. März noch vieles passieren kann. Nun gehts erst mal los mit der Schweizer Meisterschaft, die nun für einige Wochen wieder in den Mittelpunkt rückt.

 

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