Könige im Spitzenkampf


So richtig Liga war nicht zuletzt. Schweizer Cup, Länderspiele, WM-Qualifikation. Der Herbst hat es schwer, die nationale Fussballliga in Schwung zu bringen. Immer wieder gibt es Unterbrüche – und wir freuen uns schon auf den April und den Mai, wo die Liga Woche für Woche im Brennpunkt steht und die Entscheidung naht. Der Herbst ist mehr von sonstiger Hektik geprägt. Trainerwechsel zum Beispiel: fünf gab es schon in der Super League, dabei ist das halbe Pensum noch nicht um. Sion wechselte gewohnt hochkadenzig und hat mit Pierre-André Schürmann schon den dritten Coach der zweiten Jahreshälfte 2012. Auch unter ihm wird im Wallis wieder einmal alles bessser.

Der sportlich einschneidenste Wechsel war aber sicher jener von Heiko Vogel zu Murat Yakin in Basel. Nach einem kleinen Countdown-Verzähler in Luzern, als Yakin sein Team personell und taktisch ein wenig allzu sehr durch den Wolf gedreht hatte, haben sich Trainer und Spieler gefunden. Es gab Gewinner wie Fabian Schär, Verlierer wie Gaston Sauro und einen, bei dem man noch nicht so recht weiss, ob er nun belastet oder befreit ist: Alex Frei. Am Donnerstag hat er in einer eilends einberufenen Pressekonferenz bekannt gegeben, dass er sich schon am Sonntag zuvor für den Rücktritt zum Saisonende entschieden habe. Mit seiner temporär etwas ins Quotentief gerutschten Torausbeute und mit der „Versetzung“ an die linke Flanke im neuen yakin’schen 4-2-3-1-System hat das nichts zu tun. Vielmehr mit Freis familiärer und physischer Situation, aber vielleicht auch ein wenig damit, dass Yakin, der seine „Könige wie Könige“ behandeln wollte, partout keine Gelegenheit auslässt, um zu unterstreichen, dass es hinter Alex Frei noch andere Spieler gibt, die nachdrängen. Zuletzt begründete er den Wechsel von Alex Frei zu Mohamed Salah nach 60 Spielminuten damit, dass er sich mehr Schnelligkeit auf der Seite wünschte, dieser Wechsel dem Team geholfen hätte und Alex Frei schliesslich Teil dieses Teams sei.

Mit der unter Yakin wiederentdeckten Liebe zum Kollektiv steigt der FC Basel am Sonntag in den Spitzenkampf gegen die Grasshoppers. Ja, dem Team Uli Fortes sagt man ebenfalls hohe Solidarität voraus – und weil es, wie immer man es interpretieren will, am Sonntag ein Drei-, ein Sechs- oder ein Neun-Punkte-Spiel sein wird (in dem allerdings maximal drei Zähler verteilt werden…) könnte es durchaus sein, dass auf kollektiv-solidarischem Niveau dann doch wieder einmal die Individualisten den Unterschied machen. Das wären dann wohl die „Könige“ – und von denen stehen definitiv mehr in den Reihen der Rot-Blauen.

 

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