Inside EURO 2016: Peter Gilliéron


Es sind nur noch wenige Tage bis zur EURO 2016 in Frankreich. SFV-Präsident Peter Gilliéron nimmt im Magazin „rotweiss“ Stellung zu aktuellen Stichwörtern:

EURO-Modus

«Natürlich kann man behaupten, mit 24 statt 16 Teilnehmern sei halb Europa ja automatisch dabei. Man kann auch von Verwässerung reden. Ich sehe aber vor allem ein Klassefeld, das den aktuellen Stärke-verhältnissen in Europas Fussball entspricht und Prognosen so schwierig macht wie wohl lange nicht mehr. Als Kritik lasse ich nur gelten, dass es etwas lange dauert und viele Spiele braucht, bis das Feld auf die 16 Teams reduziert ist, welche die zweite Turnierphase bestreiten. Und das wiederum wirft Fragen auf für künftige Austragungen. Nach der EURO 2020, die in ganz Europa verteilt sein wird, kommen wohl nur noch grössere Länder in Frage für die Ausrichtung der Endrunde.

 

EURO-Teilnahme

«Wir sind dabei. Das ist, was am meisten zählt. Über 25 Nationen haben sich für diese Endrunde in Frankreich nicht qualifizieren können. Holland, Griechenland, Norwegen, Dänemark und andere hatten den gleichen, angeblich so leichten Modus wie wir. Das soll uns vor Augen führen, dass die Qualifikation für eine Endrunde nie ein Selbstläufer ist für die Schweiz. Umso mehr freuen wir uns, dass wir dabei sind. Schliesslich habe ich die Zeit mit 28 Jahren ohne Endrundenteilnahme und mit vielen ehrenvollen Niederlagen noch nicht vergessen. Und jetzt setzen wir alles daran, dass wir an die bevorstehenden Aufgaben mit einem guten Teamspirit herangehen können. Und dass aus diesem wiederum ein Winning Spirit entsteht.»

 

EURO-Euphorie

«Für mich  war und ist nicht wirklich verständlich, wie man zehn, acht oder sechs Wochen vor der EURO über fehlende Euphorie berichten konnte. Da haben Fussballfans doch andere Highlights als die EURO. Die finalen Phasen in den Meisterschaften. Cupfinals. Die Entscheidungen in der Champions League. Der Final der Europa League in Basel. Zudem: Vor der EURO 2008 in der Schweiz und Österreich war es zum vergleichbaren Zeitpunkt ähnlich. Überall hiess es: Das kommt nie und nimmer gut. Was damals für mich galt, gilt heute genauso: Als Chef mit gutem Beispiel vorangehen!»

 

EURO-Team

«Natürlich beschäftige ich mich auch mit gewissen Situationen von Spielern in deren Clubs. Aber das bereitet mir keine schlaflosen Nächte, denn da kann ich schlicht und einfach nichts beeinflussen. Was mich aber zuversichtlich stimmt: Vor und während der EURO haben unser Nationalcoach und sein Trainerstab endlich mal etwas länger Zeit, um zusammenzuarbeiten und Spiele vorzubereiten. Und ich bin überzeugt, dass unser Medical Staff den einen oder anderen angeschlagenen Spieler auf die Endrunde fit kriegt, sofern es im Bereich des Möglichen ist. Das war vor der WM 2014 genauso. Wir hatten einige Fragezeichen in der Vorbereitung, aber zum Start in Brasilien 23 fitte Spieler.»

 

EURO-Trainer

«Ich freue mich für Vladimir Petkovic, dass er am 22. Mai seine Spieler in Lugano begrüssen und die EURO-Vorbereitung starten kann. Das wird ein magischer Moment für ihn und die Spieler. Er weiss, dass beim Schweizerischen Fussballverband alle Gremien und Abteilungen einhellig hinter ihm stehen. Wir alle wollten die Zusammenarbeit frühzeitig langfristig verlängern, denn nach der EURO geht es sofort weiter mit der WM-Qualifikation. Wir spielen zu Hause gegen Portugal, dann in Ungarn. Das sind Konstellationen, in denen ich klare Verhältnisse bevorzuge. Dass nach den Länderspielen im März von Medienseite einiges in Frage gestellt wird, stört mich nicht. So funktionieren Medien halt. Im Februar wurden wir kritisiert, weil es offenbar zu wenig schnell vorwärts ging; jetzt wird gefragt, ob wir nicht zu voreilig verlängert haben. Die Medien lieben halt solche Diskussionen, obwohl sie ja auch wissen, dass ein Verband weniger im Tagesgeschäft-Modus ist als ein Verein. Das gehört scheinbar einfach dazu.»

 

EURO-Erwartungen

«Wir wollen die Gruppenphase überstehen. Das ist das primäre Ziel und genauso wenig ein Selbstläufer wie eine EURO-Qualifikation. Aber das darf und soll unser Anspruch sein. Danach können neue Ziele formuliert werden, durchaus abhängig auch von den nächsten Gegnern und möglichen Spiel-Paarungen. Wir können diese Zielsetzung erfüllen, wenn alle Beteiligten alles dafür geben und ihr Rendement möglichst zu 100 Prozent erreichen. Es kann mal nicht laufen, es kann Formbaissen geben, aber es darf keine peinlichen Auftritte geben. Und wenn es denn draufankommt, bin ich an einer EURO auch sehr happy mit einem glückhaften, knappen oder nicht dem Spielverlauf entsprechenden Sieg.»

 

EURO-Sicherheit

«Niemand macht sich etwas vor: Eine Bedrohung besteht. Grossveranstaltungen können Ziele sein von Attentätern. Aber jedem und jeder kann auch überall sonst auf der Welt etwas passieren. Darum ist für mich wichtig, dass ich bei jedem Kontakt mit oder Besuch in Frankreich spüre, wie viel die Behörden für die maximal mögliche Sicherheit tun. Das geht anderen Verbandsvertretern genau gleich. Darum ist einer unserer ganz wesentlichen Beiträge, dass wir sehr eng mit den verantwortlichen Stellen zusammenarbeiten. Und uns an die Maxime halten: Viel machen und wenig darüber sprechen.»

 

EURO-Gegner

«Ins Detail kann und will ich nicht gehen. Ein Sieg im Startspiel gegen Albanien könnte unsere EURO natürlich richtig gut lancieren, aber ich weiss auch, dass dieses Spiel begleitet ist von speziellen Emotionen auf beiden Seiten. Ich halte mich an Granit Xhaka, der gegenüber UEFA-TV ziemlich genau das sagte und nur noch anfügte: Am Ende sei es nur ein Fussballspiel, das beide Teams gewinnen wollen. Und dass er hoffe, dass die Schweiz das siegreiche Team sein werde. Rumänien ist offenbar eine sehr gut organisierte Mannschaft, die zuletzt nur wenig Tore erzielte, aber noch weniger zuliess. Und Frankreich zählt nicht umsonst zu den meistgenannten Turnierfavoriten. Ich halte mich da an unseren Nationalcoach, der im März in Paris wünschte, dass es in jener Partie nur noch um den Gruppensieg gehe.»

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