Ich bin dann mal weg…


Gelson Fernandes ist bestens gelaunt an jenem Nachmittag in Feusisberg, als er sich mit einigen Kollegen in einer Art Vor-Vorbereitungs-WM-Camp in Feusisberg die Beine ausschütteln darf. Und er erzählt, wie sehr er nach all den vielen Ungewissheiten der vergangenen Jahre, verbunden mit vielen Wechseln, endlich bei einem Club angekommen ist, der ihm rundum zusagt. Der SC Freiburg sage ihm zu, von der Grösse des Clubs, über die Philosophie des Trainers bis hin zu den Teamkollegen. Nichts, aber auch gar nichts, deutete in jenen Minuten des Gesprächs darauf hin, dass nach der WM alles wieder anders sein wird. Gelson hat nur einen Teileinsatz geleistet in Brasilien, im Achtelfinal gegen Argentinien kam er nach rund einer Stunde aufs Feld, um das Schweizer Gefüge zu stabilisieren. Er, als Torschütze gegen den späteren Weltmeister Spanien noch 2010 der Schweizer WM-Held, spielte in Brasilien nicht die tragende Rolle. Seine Qualitäten sind aber immerhin so geschätzt und gefragt, dass Stade Rennes aus der französischen Ligue 1 sich entschloss ein Angebot zu unterbreiten. Ein Angebot, das „zu gut war, um es abzulehnen“, wie Gelson in „20 Minuten“ sagt.

Für den Mann mit dem buckeligen Stil, für den Dauerläufer im Mittelfeld, hiess es also wieder einmal: Koffern packen. Obwohl, vielleicht hat er sich in den letzten Jahren dieses Ritual ja abgewöhnt. Er packt vielleicht nur noch das nötigste aus, den Rest lässt er gleich in den Zügelkisten. Man weiss ja nie, wohin einen das Fussballerleben in ein paar Monaten treiben wird. Bei Gelson ist es seit seinem Weggang vom FC Sion im Sommer 2007 nun der neunte Verein in sieben Jahren. Das ergibt eine Wechselquote, die weit über der Torquote des Schweizer Rekordtorschützen Alex Frei (0,5) liegt. Dabei war die Saison in Freiburg zuletzt eine der wenigen, in denen Gelson Fernandes mehr oder minder durchspielen durfte. Im Breisgau, in dem sie für gewöhnlich für sachlich-nüchterne Planung bekannt sind, mussten sie resigniert feststellen, dass „der Spieler plötzlich unbedingt wegwollte“. Anzeichen dafür hatte man offenbar auch im Süden Deutschlands keine erkannt.

Wechsel geschehen in der Regel aus zwei Beweggründen: man ist am einen Ort unzufrieden und sucht eine neue Chance. Oder es stehen wirtschaftliche Gründe im Hintergrund. Bei Gelson Fernandes waren es zuletzt oft Situationen, in denen er sich sportlich neu zu orientieren hatte. Dieser Wechsel nun aber hat monetäre Ansätze. Die Frage ist, was letztlich glücklicher macht. Spieler mit hohen Wechselquoten sind selten für beständige Entwicklungen bekannt. Reto Ziegler ist dafür ein klares Beispiel. Er bringt es in seiner Karriere auf 14 verschiedene Clubs. Seit er 2011 nach dreieinhalb guten Jahren Sampdoria Genua verlassen hat, spielte er schon wieder für vier verschiedene Clubs, Juventus Turin, dem er eigentlich angehört, ist hier nicht einmal eingerechnet, weil der Club den Linksverteidiger stets nur ausgeliehen hat. Auch jetzt, im August 2014, ist die Zukunft Zieglers wieder einmal ungewiss. Im Nationalteam hat er im Zuge seiner Wechselmütigkeit den Stammplatz längst an Ricardo Rodriguez verloren.

 

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