Gewählt ist: Dominique Blanc



Der 69-jährige Lausanner Dominique Blanc wird ab dem 1. Juli 2019 den Schweizerischen Fussballverband präsidieren. Der bisherige Vorsteher der Amateur Liga setzte sich bei der Wahl-DV am 18. Mai gegen Jeff Collet von der Swiss Football League und Kurt Zuppinger von der Ersten Liga durch.

Gewählt ist mit 69 Stimmen: Dominique Blanc. Dass es der bisherige Präsident der Amateur Liga zum neuen Vorsitzenden des Schweizerischen Fussballverbandes schaffen würde, war angesichts der Hausmacht der grössten Abteilung im Verband keine wirkliche Überraschung mehr. Die Anzahl Stimmen, die er im zweiten Wahlgang auf sich vereinigen konnte, hingegen schon. Die Delegierten der Swiss Football League waren nach der Enttäuschung, ihren eigenen Kandidaten Jean-François Collet nicht einmal in die zweite Runde gebracht zu haben, nahezu geschlossen zu Blanc übergelaufen. Der Kandidat der Ersten Liga, Ex-Schiedsrichter Kurt Zuppinger, blieb dagegen auf seinen Stimmen des ersten Wahlgangs sitzen und hatte keine Chance mehr.

Blanc zeigte sich hocherfreut über das Vertrauen, dass ihm die Delegierten ausgesprochen hatten. „Mein Wahlslogan Evolution statt Revolution hat offenbar überzeugt“, sagte er in einer ersten Reaktion im Haus des Sports in Ittigen. Damit hatte er im Kern Recht. Blancs Programm war nicht auf grosse Umwälzungen ausgerichtet, sondern auf Kontinuität der bisher geleisteten Arbeit durch seinen Vorgänger Peter Gilliéron.

Mit 69 Jahren höchst vital

Der 69-jährige Lausanner sprüht trotz seines Alters vor Energie und Vitalität. Seit seiner Wahl zum Präsidenten der Amateur Liga im Jahr 2015 zeigte er eine enorme Präsenz bis hinaus in die kleinsten Wurzeln des Schweizer Fussballs. Er ist ein Mann der Basis, präsidierte acht Jahre lang den Waadtländer Fussballverband, er ist in der Westschweiz fein vernetzt und nutzte sein Amt zuletzt auch für die Vertiefung der Kontakte in der Deutschschweiz und im Tessin. In dieser kurzen Zeit konnte er seine integrativen und verbindenden Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das war im jetzigen Wahlkampf wohl der Hauptvorteil – er kannte die Leute, die ihn wählen sollten, diese kannten ihn. Da nützten schöne Broschüren, prominente Unterstützer und grosszügige Einladungen der beiden anderen Kandidaten wenig, um das Defizit wettzumachen.

Blanc sagte, dass es zwei Dossiers gäbe, die er nun prioritär angehen wolle. Das eine ist die Besetzung der Stelle des neuen Nationalmannschaftsdirektors. Die Swiss Football League blockierte an der Delegiertenversammlung eine entsprechende Statutenänderung, die den Verantwortungsbereich dieser neuen Stelle zunächst auf das A-Nationalteam und die U21 beschränken wollte und ihr das bisherige Vorschlagsrecht beim Delegierten der Nationalmannschaft genommen hätte. „Nun müssen wir einen neuen Weg finden“, sagte Blanc und setzte das Thema auch zeitlich zuoberst auf die Liste. „Wir müssen so schnell wie möglich zu einer Entscheidung kommen.“

Mit voller Kraft

Blanc ist zwar erst ab 1. Juli 2019 offiziell Präsident, doch sein Vorgänger Peter Gilliéron (vgl. Interview ab Seite 22) hat angekündigt, dass Blanc bei allen wichtigen Anlässen bis dahin schon an seiner Seite sein werde, erstmals beim Final um den Helvetia Schweizer Cup am Tag nach der Wahl.

Das zweite Thema, das Blanc beschäftigen wird, sind die Sicherheitsaspekte rund um die Spiele der höchsten Ligen in der Schweiz nach den jüngsten Vorfällen bei zwei Spielabbrüchen bei Absteiger Grasshopper Club Zürich. Blanc weiss um die Brisanz der Thematik, sagt aber gleichzeitig, dass es „enorm schwierig und anspruchsvoll sei, hier zu einer Lösung zu kommen“. Er griff zudem eine andere Problematik auf: „Wir haben im Breitenfussball da und dort Entwicklungen um die Spielfelder herum, insbesondere, was den Einfluss der Eltern betrifft.“

Blanc hat den Vorteil, seine ganze Arbeitskraft für den Fussball einsetzen zu können. Seine joviale und gewinnende Art wird ihm dabei helfen, ein weiteres Ziel anzustreben, nämlich die drei Abteilungen des SFV näher zusammenzubringen.

Neuer AL-Präsident

Durch seine Wahl ist nun ein Amt verwaist, für das er am Tag zuvor vorsorglich auch schon bestätigt wurde, jenes des Präsidenten der Amateur Liga. Gute Karten für seine Nachfolge dort hat einer, der ihm in der internen Ausmarchung zur SFV-Präsidentschaft unterlegen war und ihn dann als Kampagnenleiter tatkräftig unterstützte: Urs Dickerhof, der Präsident des Regionalverbandes Innerschweiz, der auch das OK zum 100-Jahr-Jubiläum der Amateur Liga präsidiert. Die Nachfolge Blancs in dieser Funktion wird im Rahmen einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung geregelt werden müssen.

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