Freistoss indirekt


„Wir bleiben dran“, hat Felix Bingesser versprochen. Der Sportchef des „Blick“ zeichnet sich in diesen Monaten als ausgesprochen hartnäckig aus. Nicht nur, was seine Grundhaltung betrifft, sondern auch seine Überlebensdauer in einem Amt, das vor ihm doch das eine oder andere schnelle Opfer gefordert hatte. Bingesser muss seinen Reporter Alain Kunz stützen, der sich im südlichen Spanien an die Fersen des BSC Young Boys geheftet hat, um aus dem Trainingslager zu berichten. Der „Blick“ ist in jedem Trainingslager vor Ort und hatte jüngst auch die Idee, einen Ball um die Welt zu schicken, um die Spieler in den verschiedenen Ecken des Planeten, wo sie sich auf die neue Saison vorbereiten, miteinander zu verbinden. Das geht dann in etwa so, dass Gelson Fernandes vom FC Sion sagt, dass die neuen Spieler des FC Basel das Wort „Meister“ nicht würden aussprechen können, die Basler dann aber per Videobotschaft das Gegenteil beweisen und beste Grüsse ins Camp der Grasshoppers schicken, die das Wort „Meister“ zwar aussprechen könnten, es aber nicht dürfen. Das nennt man dann „hart am Ball“.

Das Problem von Kunz ist, dass die investigativen Kollegen von der Heimredaktion vor kurzem dem ehemaligen Basler und Berner Stadionmanager Peter Jauch eine offensichtlich vermisste Plattform boten, weil dieser im Keller noch ein paar alte Dossiers hervorgekramt hat, die seinen Intimfeind Bickel Alfred zehn Jahre später noch immer belasten könnten, obwohl man doch damals (in der auch von Jauch unterzeichneten) Abgangsvereinbarung Stillschweigen vereinbart hatte. Das wiederum ärgert nun die YB-Verantwortlichen, die sich im nicht ganz privaten E-Mail-Verkehr auch noch etwas verstrickt haben. Nun haben sie, nach streng italienischem Vorbild, eine „silenzio Blick“ verordnet, die den armen Alain Kunz im windigen Südspanien im Herzen seiner Arbeitsmoral trifft. Er darf nun nicht mehr mit allen YB-Exponenten im Camp in Kontakt treten und wenn er es doch tut, dann wird ihm nichts gesagt auser „Ciao“ und „Wie gehts?“.

Erste Informationsquelle ist also nun nicht mehr der YB-Trainer, der YB-Spieler, der YB-Sportchef oder der YB-Medienchef, sondern der ebenfalls mitgereiste Kollege von der Berner Presse. Der hält sich nicht an die Stillschweigevereinbarung und füttert den Blick-Mann mit den (nicht zu heissen) Grundinformationen, zum Beispiel jener, dass man die Gangart des FCB-Europa-League-Gegners Dnipor im Test als etwas zu hart eingestuft hätte… Daraus gibt es einen Artikel in der dritten Person oder einen Freistoss indirekt. Wir bleiben dran. BLICK220113_11BLICK220113_11

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