Freipass


Seit Murat Yakin im vergangenen Oktober das Traineramt beim FC Basel übernommen hat, sah sich Alex Frei einer komplett neuen Ausgangslage gegenüber. Ein Systemwechsel mit anderen Anforderungen an die verschiedenen Positionen kam den Stärken des 33-jährigen Torjägers nicht entgegen. Frei hat eine feine Antenne in solchen Situationen – er spürte sehr schnell, dass er nicht mehr so im Mittelpunkt stehen würde, wie er das seit seiner Rückkehr nach Basel getan hatte. Er spürte, dass seine Spielerkarriere schneller zu Ende gehen könnte, als er sich das insgeheim im Wohlfühlklima unter Thorsten Fink und Heiko Vogel noch erhofft hatte. Es dauerte nicht lange und Frei gab seinen Rücktritt zum Ende dieser Saison bekannt.

Seither wechselte seine Position zwischen Abstellgeleise und unveränderter Bedeutung in Sachen Torausbeute. Es sah während der Vorbereitung auf diese Rückrunde so aus, als hätte Murat Yakin, auch nach dem Zugang von Raul Bobadilla, gar keine Verwendung mehr für den Schweizer Rekordtorschützen. Doch dann, eine Grippe und ein paar Spiele später, stand Frei plötzlich wieder im Mittelpunkt. Er kehrte auf den Platz zurück und er tat das, was er schon immer tat: Tore schiessen. Tore sind seine Argumente, seine Assists verwischen alle anderen Eindrücke, die man allenfalls bei einem Stürmer gewinnen könnte, der im Spätherbst seiner Karriere steht.

Alex Frei war immer für eine Schlagzeile gut – und er fand in den Übergängen seiner Karriere stets spezielle Lösungen. Immer wieder wurde öffentlich über den richtigen Zeitpunkt und das richtige Timing diskutiert. Und wer sich heute die Karriere im Rückblick anschaut, muss zum Schluss kommen, dass am Ende fast immer alles aufgegangen ist in den Planungen des Alex Frei.

Nun also wird er Sportdirektor beim FC Luzern. Wieder ist die Öffentlichkeit skeptisch. Kann der das. Direkt vom Platz ins Büro, ohne Berufserfahrung, in einem Umfeld, in dem er plötzlich vom Erfahrenen zum Unerfahrenen mutiert. Wer Alex Frei kennt, weiss, dass er sich mit aller Akribie auf diese Aufgabe vorbereiten wird. Dass er genaue Vorstellungen hat. Dass er sich längst mit vielen Menschen abgesprochen hat. Frei hatte während seiner Spielerkarriere stets einen guten Draht in die Vereinsleitungen. Das war bei Stade Rennes so, wo er als einziger Spieler den schwerreichen und in Paris wohnhaften Präsidenten Emmanuel Cueff privat besuchen durfte. Das war in Dortmund nicht anders, wo Hans-Joachim Watzke als enger Vertrauter galt und bei der Präsentation seiner Biografie eigens für eine Laudatio nach Basel reiste. Und es war letztlich auch in Basel so, wo er zusammen mit Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz seine letzte Spielerstation zu einer Erfolgsgeschichte formte.

Frei hat ein gutes Beziehungsnetz, eine gute Nase, Verhandlungsgeschick (zumindest auf jener Seite, auf der er bislang stand). Er könnte ein guter Sportchef werden.

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