Final am Brandenburger Tor


Ein Footeco-Team des FC Zürich stiess am internationalen Turnier „Football4friendship“ in Berlin in den Final vor, schüttelte Franz Beckenbauer die Hand und erlebte den Champions-League-Final im Olympiastadion.

Die Sonne brennt auf dem Kunstrasen hinter dem altehrwürdigen Berliner Fussballstadion „Alte Försterei“. Vor der Geschäftsstelle des 1. FC Union Berlin stehen die Fans Schlange, um sich die Jahreskarten für die kommende Saison zu besorgen. Es ist ein traditionsreicher Fussballstandort – doch heute geht es hier primär um die Zukunft. Das Turnier „Football4friendship“ verbindet Teams aus 24 Nationen, erstmals sind Mannschaften aus China und Japan angereist, der FC Chelsea ist mit einem Mädchenteam dabei, die Schweiz wird von einem gemischten Team des FC Zürich vertreten. Elvira Herzog und Seraina Piubel gehören schon dem Kader der Schweizer U16-Auswahl an, gemeinsam mit zehn weiteren Talenten aus dem Footeco-Programm des FC Zürich wollen sie ihr Land hier so gut wie möglich vertreten.

Der Fussball steht natürlich im Mittelpunkt dieses interkontinentalen Treffens, doch es geht hier auch um Werte, die den Jugendlichen vermittelt und die gelebt werden sollen. Als äusseres Zeichen der Freundschaft tragen alle grün-blaue Bändel am Arm, die Kontakte zu Fussballern im gleichen Alter, aber aus anderen Kulturen, werden im gemeinsamen Hotel in der Stadt, aber auch hier auf dem Platz gepflegt. Die acht Gruppen werden gleich vor Ort ausgelost, die Schweizer ziehen die Gruppe H und treffen auf das ukrainische Team des FC Volyn Lutsk und die Mädchen des FC Chelsea. Das Turnierformat ist simpel, gespielt wird auf Viertelplätzen mit sieben Spielern, es wird eng auf dem Kunstrasen, Schnelligkeit und technische Sicherheit sind gefragt. Das Gefälle zwischen den Teams ist enorm. „Wir wussten, dass es hier nicht primär um die sportliche Herausforderung geht, sondern um das Ereignis als solches“, sagt Heinz Russheim der Leiter der Academy des FC Zürich.

23 Tore gegen Chelsea

Dennoch herrscht bei den Spielern und dem Trainerduo Albert Hohl und Daniel Böhi eine gewisse Grundanspannung. Schliesslich will man das hochgelobte Schweizer Ausbildungsmodell auch hier würdig vertreten. Das erste Spiel endet mit einem glatten 6:1-Erfolg gegen die Ukrainer. Das war die halbe Miete, denn die Mädchen des FC Chelsea repräsentieren nicht das, was man vom Namen her erwarten könnte. 24 Tore fallen in den 16 Spielminuten, das ist eine eindrückliche Kadenz, und die Verteilung ist ziemlich einseitig. 23 Treffer gelingen dem FC Zürich gegen die überforderten Engländerinnen, der wirblige Stürmer Kedus Haile Selassie allein trifft achtmal – und das Gegentor räumt man den Girls aus Chelsea, die die Stimmung trotz der hohen Niederlage hochhalten, grosszügig ein.

In der K.o.-Phase werden die Gegner hochkarätiger. Dinamo Zagreb hält gut dagegen, doch die Zürcher setzen sich durch. Nun wartet im Halbfinal Galatasaray Istanbul. Im Gegensatz zu den Zürchern, die schön hälftig zwischen den Jahrgängen 2000 und 2001 aufgeteilt haben, spielen die Türken ausschliesslich mit kräftigen Burschen des älteren Jahrgangs. Sie sind physisch überlegen, haben in der Vorrunde Schalke 04 locker ausgeschaltet und fordern den hohen Respekt des FCZ ein. Doch die Schweizer spielen taktisch stark, gehen durch einen scharfen Weitschuss ihres Captains Lukas Aeberli in Führung und verwerten eine Cornervariante durch Ilan Sauter zum 2:0. Die Türken verlieren den Faden und finden die Lücke nicht mehr. Der Traum vom Endspiel wird für den FCZ wahr.

Vor den Augen Beckenbauers

Das Endspiel ist eine grosse Sache. Es wird am anderen Tag im Rahmen des „Champions Festivals“ unmittelbar vor dem Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen der Stadt, ausgetragen. Franz Beckenbauer, der Botschafter des von UEFA-Sponsor Gazprom initiierten Programms „Football4friendship“, sitzt im Publikum und wird die Siegerehrung vornehmen, es findet eine Eröffnungsfeier statt, alle Teams und viele Fans des abendlichen Champions-League-Finals umsäumen das Spielfeld. Kurz gesagt: eine grosse Sache.

Der Gegner heisst Rapid Wien – und die Österreicher sind der Aufgabe an diesem Mittag besser gewachsen. Sie ziehen ein starkes Pressing auf, zwingen die Zürcher zu Fehlern. Diese können sich kaum entlasten, liegen schnell mit 0:3 im Rückstand. Die Sache scheint hoffnungslos, doch dann bringen Nils Reichmuth und Ilan Sauter den FCZ noch einmal auf 2:3 heran. Doch es ist nicht der Tag der Zürcher, die zwei weitere Gegentore hinnehmen müssen und ihre Enttäuschung bei den folgenden Fototerminen und bei der Medaillenübergabe durch Franz Beckenbauer nicht verbergen können. „Wer von 24 Teams auf dem zweiten Rang landet, der hat nicht alles falsch gemacht“, sagt Franz Beckenbauern den Zürchern zum Trost. Diese finden schnell wieder zur positiven Stimmung zurück. „Es war ein Mega-Erlebnis, diese Begegnungen mit den Teams aus aller Welt waren sehr speziell. Ich konnte einige Freundschaften schliessen und werde diese Tage in meinem Leben niemals vergessen“, sagt Seraina Piubel. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elvira Herzog gehörte sie zu den auffälligsten Figuren an diesem Turnier.

Im Stadion mit den Champions

Doch der eigentliche Höhepunkt des Wochenendes stand ja noch bevor. Alle 24 Teams und ihre Begleiter wurden am Abend zum Champions-League-Final ins Berliner Olympiastadion eingeladen. Im Sektor A4, nahe der Kurve des FC Barcelona, jubelten die Kids ihren Idolen zu und genossen die einmalige Atmosphäre. Der eine oder andere wird davon geträumt haben, irgendwann auch einmal in einem solchen Umfeld Fussball spielen zu können. Die Junioren des FC Zürich zeigten in Berlin jedenfalls, dass sie sich fussballerisch vor keinem Nachwuchsteam der Welt verstecken müssen.

Für die beiden Mädchen Seraina Piubel und Elvira Herzog geht es nächste Saison in eines der drei U15-Teams des FC Zürich, für die Hälfte der Jungs folgt dieser Schritt ebenfalls. Sie haben bewiesen, dass die Arbeit des FC Zürich im Bereich Footeco Früchte trägt. „Wir betreuen allein in diesen Altersklassen U12, U13 und U14 rund 200 Spieler, aufgeteilt auf verschiedenste Stützpunkte“, erklärt René Grauf, Leiter Footeco beim FCZ. Er wird in den nächsten Wochen einiges zu tun haben, bis alle Teams wieder in ihrer neuen Formation gebildet sind und die Saison 2015/2016 in Angriff nehmen können.

 

Football4friendship. Internationales Turnier in Berlin. Gruppe H. FC Zürich – FC Volyn Lutsk (Ukr) 6:1 (Tore FCZ: Reichmuth 3, Aeberli, Hüper, Koide). FC Zürich – FC Chelsea Mädchen 23:1 (Haileselassie 8, Sopi 6, Averso 2, Piubel 2, Reichmuth 2, Sauter 2, Vlapamo). FC Volyn Lutsk – FC Chelsea Mädchen 14:2. – Viertelfinal: Dinamo Zagreb (Kro) – FC Zürich 0:2 (Vlapamo, Reichmuth). – Halbfinal: Galatasaray Istanbul – FC Zürich 0:2 (Aeberli, Sauter). – Final (in der „Champions Festival“ Arena am Brandenburger Tor): FC Zürich – Rapid Wien 2:5 (Reichmuth, Sauter).

Video zum Finalspiel

Team FC Zürich Footeco. 1 Elvira Herzog, 6 Leandro Aversa, 7 Kedus Haile Selassie, 8 Leon Sopi, 9 Fynn Stiel, 10 Seraina Piubel, 11 Lauren Hüper, 12 Henri Koide, 13 Nils Reichmuth, 14 Lukas Aeberli, 15 Loïc Vlapamo, 16 Ilan Sauter. – Betreuer: Albert Hohl (Trainer), Daniel Böhi (Administration Footeco), Heinz Russmann (Leiter Academy), René Grauf (Leiter Footeco).

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