Ein Punkt, der reichen dürfte


Und dann hält Admir Mehmedi einfach mal drauf. Es läuft die 57. Minute, die Schweizer sind das bessere Team im zweiten Gruppenspiel gegen Rumänien, doch sie scheitern lange an ihrer Ineffizienz. Nun schlägt Ricardo Rodriguez einen Eckball von der linken Seite, der Ball landet im vorderen Bereich des Fünfmeterraums bei Johan Djourou, doch der ist so von rumänische Abwehrspielern bedrängt, dass der Ball nicht Richtung Tor, sondern direkt nach hinten auf den linken Fuss Mehmedis fällt. Dieser zieht volley ab und trifft wunderbare ins rechte Eck. Es ist der Ausgleich für die Schweizer, der mehr als verdiente Ausgleich. Sie sind nicht nur das aktivere Team gegen allerdings nie ungefährliche Rumänen, sie haben sich auch ein klares Chancenplus erarbeitet und müssen nun dafür arbeiten, sich doch noch zu belohnen in diesem Spiel.

Draussen steht zu diesem Zeitpunkt schon Breel Embolo bereit, er sollte wohl für Mehmedi eingewechselt werden. Es ist ihm nicht entgangen, seine Antwort auf dem Feld ist eine überzeugende. Und Embolo muss nun noch etwas warten, Mehmedi spielt nach seinem Erfolgserlebnis wie aufgedreht, er kurbelt immer wieder Schweizer Angriffe an. Die Schweizer bleiben so am Drücker und halten die Gefahr vom eigenen Tor fern. Das ist nicht schlecht, und gleichzeitig wird man den Eindruck nicht los, dass sie den Sieg mehr wollen als die Rumänen, die wohl hoffen, im letzten Gruppenspiel gegen Albanien noch alles klar machen zu können und die sich mit dem 1:1 durchaus zufrieden zeigen.

 

Embolo musste warten

Embolo kommt dann doch noch, für Haris Seferovic, nicht für Mehmedi. Und er hat bald nach seiner Einwechslung eine Kopfballchance, die er unter Bedrängnis allerdings verpasst. Und es war so etwas wie der Schlusspunkt in Sachen Torszenen in dieser Partie. Die Schweizer hatten noch einige Freistosschancen, doch Xherdan Shaqiri war zwar aktiv an diesem Nachmittag, doch es gelang ihm nicht viel, auch kein stehender Ball. Irgendwann konnten sich an diesem Vorabend alle mit der Punkteteilung abfinden, die letztlich beiden Teams die Türe zu den Achtelfinals öffnet, der Schweiz mit schon vier Zählern und dem abschliessenden Spiel gegen Frankreich noch mehr als den Rumänen, deren Rechnung gegen Albanien zuerst noch aufgehen muss.

 

Die Schweizer hatten einen starken Start hingelegt, sie waren das dominierende Team der ersten Viertelstunde und ja, sie hätten zwingend in Führung gehen müssen. Es waren genau sechs Minuten gespielt, als Blerim Dzemaili den Schweizer Stossstürmer Haris Seferovic im Strafraum anspielte, dieser sich mit einer starken Gegenbewegung Platz verschaffte, dann aber den Schuss knapp am rechten Torpfosten vorbeischlenzte. Keine zehn Minuten später stand Seferovic schon wieder alleine vor dem Tor, doch wie schon gegen Albanien wusste er nach dem feinen Steilanspiel von Xherdan Shaqiri alleine vor Goalie Ciprian Tatarusanu den Ball nicht im Tor unterzubringen. Mit einer Fussabwehr verhinderte der rumänische Schlussmann die eigentlich verdiente Schweizer Führung. Es setzte sich so fort, was sich in der Vorbereitung und im Auftaktspiel gegen Albanien schon gezeigt hatte: die Schweizer brauchen zu viele Torchancen, und das kann auf diesem Niveau nicht immer gutgehen.

 

Der fatale erste Besuch

Und so kam die 17. Minute, die Rumänen konnten sich eigentlich zum ersten Mal – dank einem Einwurf auf der linken Seite – Richtung Schweizer Strafraum fortbewegen, dort rupfte Stürmer Claudiu Keserü ungestraft am Trikot von Fabian Schär und schaffte so Platz für den Kollegen Alexandru Chipciu, der vom Schweizer Captain Stephan Lichtsteiner noch etwas offensichtlicher, und vor allem zu lange, am Trikot zurückgehalten wurde. Der russische Schiedsrichter zögerte nicht und entschied auf Foulpenalty. Der erfolgreiche und sehr platzierte Schuss von Bogdan Grigore in die flache Torecke war der erste Torschuss der Rumänen in diesem Spiel. Das war bitter für die Schweizer, die einige Minuten benötigten, um die Sache einordnen zu können. Und diese Phase nutzten die Rumänen, um ihre Führung mit zwei weiteren Chancen von Chipciu und dem Aussenverteidiger Cristian Sapunaru – er traf nur den Aussenpfosten – zu untermauern.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit hatten sich die Schweizer wieder erholt und waren nun wieder so unterwegs wie in der ersten Viertelstunde. Und das leider auch in Sachen Chancenauswertung. Diesmal war es Blerim Dzemaili, der nach einer massgerechten Flanke von Lichtsteiner, aus sechs Metern relativ unbedrängt mit dem Kopf links am Tor vorbeizielte. Wir wissen schon: der WM-Achtelfinal von 2014 gegen Argentinien…

 

EURO 2016, Vorrunde, Gruppe A
Albanien – Schweiz 0:1 (0:1)
11.Juni 2016, 15.00 Uhr. – Stade Bollaert-Delelis, Lens/Fr. – 33 805 Zuschauer. – SR Velasco Carballo (Sp). – Tore: 5. Schär (Shaqiri) 0:1.
Albanien: Berisha; Hysaj, Cana, Mavraj, Agolli; Abrashi, Kukeli, Taulant Xhaka (62. Kaçe); Roshi (74. Cikalleshi), Sadiku (82. Gashi), Lenjani.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Behrami, Granit Xhaka; Shaqiri (88. Fernandes), Dzemaili (76. Frei), Mehmedi (62. Embolo); Seferovic. – Nationaltrainer: Vladimir Petkovic.
Bemerkungen: Schweiz komplett. Nicht eingesetzte Ersatzspieler: Bürki, Hitz; Moubandje, Elvedi, von Bergen, Lang, Zakaria, Tarashaj, Derdiyok. Erstmals in der Geschichte der EURO spielen mit Granit (Schweiz) und Taulant Xhaka (Albanien) zwei Brüder in zwei unterschiedlichen Nationalteams. – Platzverweis: 36. Cana (Gelb-Rote Karte nach Handspiel). – Verwarnungen: 14. Schär (Foul), 23. Cana (Foul). 63. Kaçe (Foul), 66. Behrami (Foul), 89. Kukeli (Foul), 92. Mavraj (Foul). – Albanien nach dem Platzverweis gegen Cana zunächst bis zur Pause mit Roshi als Rechts- und Hysaj als Rechtsverteidiger in einem 4-4-1-System, ab 46. Hysaj wieder rechts, Kukeli im Abwehrzentrum. – Man of the match: Granit Xhaka. – Statistik: Ballbesitz: 45:55%. – Schüsse aufs Tor: 2:7. – Eckbälle: 5:4. – Fouls: 10:17. – Offsides: 2:6. – Laufleistung: 102,7:108,7 km.

 

 

Kommentare sind geschlossen.