Ein Mann der zweiten Chance


Der 19-jährige Kevin Rüegg hat sich beim FC Zürich als Mittelfeldspieler einen regelmässigen Platz erspielt und ist seit vergangenem Jahr auch Schweizer U21-Nationalspieler. Auf seinem bisherigen Weg hatte er die eine oder andere Hürde zu überwinden.

„Ein Traum ist wahr geworden“, sagt Kevin Rüegg gleich am Anfang. Dass er, der vor nicht allzu langer Zeit eine schwierigere Phase in seiner noch jungen Karriere hatte durchleben müssen, im vergangenen Sommer seinen ersten Vertrag als Fussballprofi unterzeichnen konnte und beim FC Zürich als fester Bestandteil des Personals im Team der Super League zu zählen ist, das sieht er als „nicht selbstverständlich an“.

Und natürlich hat das auch seine Hintergründe. Anhaltende Rückenprobleme hatten ihm im Jahr 2015 arg zu schaffen gemacht, er ging von Arzt zu Arzt, niemand konnte ihm die Ursache seiner Schmerzen so richtig erklären, bis er auf eine Physiotherapeutin stiess, die dem Übel auf den Grund kam. Die tiefe Bauchmuskulatur war bei Kevin Rüegg zu wenig stark ausgebildet und verursachte die Schwierigkeiten. Mit den verordneten Therapieübungen liessen die Sorgen nach – Rüegg war wieder bereit zum Angriff. Er erhielt quasi seine zweite Chance.

Der schnelle Aufstieg

Die nutzte er mit einem geradlinigen Aufstieg innerhalb des Clubs. Er kam in die U21, machte im Sommer 2016 gegen Galatasaray Istanbul sein erstes Testspiel mit der ersten Mannschaft von Uli Forte, war für den FCZ in der UEFA Youth League im Einsatz und fand im Frühjahr 2017 den Weg ins Team des damaligen Trainers Uli Forte, das in der Challenge League den sofortigen Wiederaufstieg in die Super League anstrebte. Am 26. Februar 2017 bestritt er beim 4:1-Auswärtssieg des FCZ beim FC Wohlen sein erstes Meisterschaftsspiel für die Zürcher. An der Seite von Gilles Yapi agierte er im zentralen Mittelfeld.

Es folgten weitere Einsätze, noch immer spielte Kevin Rüegg als Nachwuchsspieler in der ersten Mannschaft, erst im Sommer unterzeichnete er bei Ancillo und Heliane Canepa seinen ersten professionellen Vertrag, bis 2020 mit Option auf eine weitere Saison. Es ist ein ganz wichtiger Schritt auf seinem Weg, der ihn langfristig noch weiterführen soll. In der laufenden Saison änderte sich wenig an seinem erarbeiteten Status. Rüegg wurde auch in der Super League regelmässig eingesetzt, oft über die vollen 90 Minuten. Daran änderte auch der Trainerwechsel von Forte zu Ludovic Magnin nichts, Rüegg spielte gleich in der ersten Partie unter der Führung des Ex-Nationalspielers nach verbüsster Gelbsperre wieder von Anfang an. „Natürlich muss man sich auf einen neuen Trainer einstellen und die Herausforderungen annehmen. Aber es sind auch neue Erfahrungen, die man mitnehmen kann“, sagt Rüegg dazu.

Vom Hand- zum Fussball

Eigentlich hätte ja Kevin Rüegg ein Handballer werden sollen. So sahen es zumindest seine Eltern vor, der Vater ein Schweizer, die Mutter aus Kamerun. Mit sechs Jahren ging er zur Probe in ein Handballtraining, er konnte sich noch nicht selbst die Schuhe binden, das war dort offenbar schlimmer als kurze Zeit später sein erster Schritt beim FC Greifensee. Dort ging er nach der verpassten Handballlektion in sein erstes Fussballtraining und fand – bei seiner zweiten Chance – sofort Gefallen. Er erinnert sich noch an sein erstes Turnier bei den F-Junioren, als er und seine Kollegen sich einliefen und er plötzlich die Frage in den Raum stellte, wann sie denn jetzt endlich ins Stadion einlaufen würden. Erst da realisierte er, dass der Kinderfussball irgendwo auf einer Wiese und nicht von 20‘000 Zuschauern wie die Spiele am Fernseher stattfindet.

Als er mit zehn Jahren mit dem FC Greifensee gegen die Grasshoppers spielte, stand am Spielfeldrand ausgerechnet ein Beobachter des FC Zürich. Er sah nicht nur Kevin Rüegg, er sah auch noch drei Kollegen von ihm beim FC Greifensee und lud alle zu einem Probetraining ein. Die drei Kollegen wurden sofort genommen, er selbst musste noch ein zweites Mal antanzen. Diese zweite Chance, mal wieder, nutzte er und stieg beim FC Zürich in die U11 ein. Dort durchlief er alle Nachwuchsstufen und wurde auch zum Schweizer Nationalspieler. U15, U16 – und mit der U17 nahm er 2014 sogar an der Europameisterschafts-Endrunde in Malta teil, mit Spielern wie Albian Ajeti, Dimitri Oberlin oder Remo Arnold, alles Spieler, die den Weg in die Super League wie Kevin Rüegg mittlerweile auch geschafft haben. Leider blieb das achtbare 1:1 gegen Deutschland an jener EM-Endrunde das einzige positive Resultat.

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Ausgabe 3-2018 von rotweiss

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