„Ein kleiner neuer Zyklus“


Im Vorfeld des Team-Spirit-Events der Sport-Toto-Gesellschaft am Dienstag im Berner Hotel Bellevue stelle sich Nationaltrainer Vladimir Petkovic den Medien für eine Jahresbilanz 2018 und äusserte sich über…

… die WM 2018

„Wir haben in Russland ein gutes bis sehr gutes Resultat erzielt, aber kein exzellentes. Schweden war im Achtelfinal sicherlich kein Outsider, sie haben für unsere Verhältnisse fast zu skandinavisch gespielt. Das Spiel gegen Serbien hat uns viel Energie gekostet, und wir haben das teuer bezahlt. Mit der Qualifikation für die K.o.-Phase haben wir ein kleines Ziel erreicht. Es herrschte eine Stimmung von Zufriedenheit, gleichzeitig aber auch etwas Irritation. Doch zwei Tage vor dem Schweden-Spiel gab es innerhalb des Teams keine Anzeichen eines mentalen Abfalls. Die Lehre für die Zukunft ist vielleicht die, dass wir in solchen Phasen noch mehr Akzente setzen müssen.“

… die Zeit nach der WM

„Für meine Begriffe war etwas zu viel Polemik drin in diesem – ich will es mal so nennen – „organisierten Chaos“. Die Rückendeckung in der Bevölkerung für das Nationalteam habe ich aber weiter gespürt. Der Verband stand immer hinter mir. Mit etwas Verspätung haben wir die Situation gemeistert. Für das Team haben wir nötigen Schlüsse gezogen und bewegten uns in die richtige Richtung. Die Probleme waren ja weitgehend um das Team herum, und nicht im Team selbst. Der Teamgeist blieb jederzeit erhalten. Ich bin es gewohnt, im Gegenwind zu stehen. Doch manchmal wurde nicht nur flach geschossen, sondern direkt auf den Kopf. Und sicherlich war auch der eine oder andere billige Schuss mit dabei. Aber ich kann gut bewerten, ob es etwas seriös ist oder lächerlich. Für mich sind die Rückmeldungen der Spieler sehr wichtig – und auch die Anerkennung, die wir aus ganz Europa und weltweit für unsere Arbeit in der Schweiz erfahren.“

… die personellen Veränderungen

„Es ist nicht die Aufgabe des Nationaltrainers, einen Spieler in Pension zu schicken. Meine Aufgabe ist es, zu wählen, zu sensibiliseren und zu kommunizieren. Alle Spieler, die nicht ihren Abschied gegeben haben, sind weiterhin im breiten Sichtungsfeld. Für mich war es wichtig, dem Team etwas frische Luft zu verschaffen, neue Impulse zu setzen und aus der Komfortzone rauszukommen. Wir konnten so einen kleinen neuen Zyklus einleiten. Eine breitere Auswahl hilft dabei, ein Team zu konstruieren und ihm grössere Sicherheit zu verleihen. Aber es ist auch so, dass sich die jungen Spieler, die jetzt eine Chance erhielten, immer wieder bestätigen müssen. Stephan Lichtsteiner hat im September sehr stark geholfen, eine schwierige Phase zu überstehen, die Ereignisse mit seiner Art zu verarbeiten. Und sicherlich wird auch irgendwann der Moment kommen, sich mit Valon Behrami auszutauschen. Ich finde es nach wie vor schade, wie es gelaufen ist.“

…die neue Struktur rund um das Nationalteam

„Ich hatte mit Bernhard Heusler und Georg Heitz ebenfalls ein Gespräch. Viele der Vorschläge diskutieren wir schon seit einiger Zeit. Es ist nun einfach so, dass dieser Prozess weitergeht. In den neuen Strukturen sehe ich in erster Linie die Möglichkeit, den Schweizer Fussball auf ein noch höheres Niveau anzuheben Ich wünsche mir, dass die nötigen Entscheide so schnell wie möglich gefällt werden, damit wir uns im Jahr 2019 voll und ganz auf das Sportliche rund um die EM-Qualifikation konzentrieren können. Das Team und der Trainer brauchen keine Nebengeräusche.“

…die Final Four der UEFA Nations League

„Ein Ereignis wie die Wende vom 0:2 zum 5:2 gegen Belgien kann auch in späteren Situation helfen, wenn man sich daran erinnert. Eine solche Wende kommt nicht oft vor, die Spieler haben unterstrichen, dass sie leben, dass sie wollen und dass sie in der Lage sind, in wichtigen Spielen eine gute Leistung abzurufen. Dass wir nun am Final-Four-Turnier teilnehmen können, kann uns stolz machen. Aber wir müssen auch realistisch sein und unsere Linie beibehalten. Wenn ich schon lese, dass wir das Turnier gewinnen sollen… Einfach schön am Boden bleiben.“

…seine Zukunft als Nationaltrainer

„Ich habe einen Vertrag bis Ende 2019. Ich bin nie zu 100 Prozent satt und bleibe hungrig. Ich möchte auch in Zukunft mit grösstmöglichem Erfolg arbeiten. Wir haben noch viele Möglichkeiten zur Verbesserung und unsere jungen Spieler garantieren uns auch eine gute Zukunft. Ich bin ein selbstkritischer Mensch, der ein gutes Gespür im Magen hat, wenn ich etwas falsch gemacht oder gesagt habe. Aber das Leben geht immer weiter, ich lebe nicht gerne in der Vergangenheit.“

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