Die verrückte Wende von Kaliningrad


Es sind die Laufwege, die ein Spiel entscheiden können. Und die Genauigkeit, wie die Spieler aufeinander abgestimmt sind. Es läuft die 90. Minute im WM-Spiel der Schweiz gegen Serbien, es ist ein intensives Spiel gewesen, die Serben zahlen etwas für ihr intensives Forechecking, das sie eine Stunde lang betrieben haben. Nach einem Eckball landet der Ball in den Füssen von Granit Xhaka, er spielt sofort nach vorne zu Mario Gavranovic, Xherdan Shaqiri hat die Situation enorm rasch erfasst, ist schon losgesprintet, der Mittellinie entlang, der Pass von Gavranovic kommt zentimetergenau, der Laufweg stimmt dermassen exakt, dass keine Offsideposition vorliegt. Dann zieht Shaqiri los, mit dem Ball am Fuss ist er ebenso schnell wie der serbische Verteidiger Dusko Tosic ohne, er dringt bis in den Strafraum der Serben vor – und obwohl er noch leicht gestört wird, lässt er sich von seinem Ziel nicht mehr abbringen. Er schiebt den Ball an Torhüter Vladimir Stojkovic vorbei ins Tor – es ist der Siegtreffer für die Schweizer. Ein enorm wichtiges Tor für den weiteren Verlauf dieser WM.

Die Emotionen kennen keine Grenzen in diesem Moment, der Jubel beinhaltet auch Signale an die kosovarische Herkunft vieler Spieler im Schweizer Team, selbst Captain Stephan Lichtsteiner mimt den „Doppeladler“ – mit diesen Szenen lösen die Schweizer Diskussionen in der Heimat aus – und bringen die Fifa auf den Plan, die Verfahren gegen die drei Spieler Shaqiri, Lichtsteiner und Granit Xhaka einleitet.

Aber das ist nach diesem intensiven Fussballspiel nur eines der Themen. Fussballerisch war die Wende, die die Schweiz nach einer schwierigen ersten Halbzeit bewerkstelligt hat, eindrücklich. Denn die ganz in Weiss angetretene Auswahl von Vladimir Petkovic hatte Mühe, den Rhythmus zu finden und sich auf das Spiel der Serben einzustellen. Diese störten die Schweizer schon an deren Strafraum an Spielaufbau, sie waren von der ersten Minute an bereit, laufstark und auch technisch auf höchstem Level. Die Schweiz schien ein wenig überrumpelt, vor allem Dusan Tadic machte auf seiner rechten Seite viel Druck und bereitete Linksverteidiger Ricardo Rodriguez enorme Probleme.

Lesen Sie den gesamten Spielbericht in der nächsten Ausgabe von „rotweiss“ und im „Grossen Schweizer Buch der WM 2018“.

Zahlen, Statistik & Historisches zum Spiel gegen Serbien

  • Mit seinem Last-Minute-Tor gegen Serbien bringt es Xherdan Shaqiri mittlerweile auf vier persönliche WM-Treffer. 2014 hatte er im Gruppenspiel gegen Honduras gleich dreifach getroffen. Shaqiri ist in der ewigen Schweizer WM-Torschützenliste damit bereits auf Rang 2 vorgestossen, gemeinsam mit André „Trello“ Abegglen und Robert Ballaman. Führender dieser Statistik ist der Basler Josef „Seppe“ Hügi, der 1954 an der Heim-WM in der Schweiz gleich sechs Tore erzielen konnte.
  • Mit seinem insgesamt 21. Länderspieltor rückt Xherdan Shaqiri in die Top Ten der ewigen Schweizer Torschützenliste auf und hat nun ebensoviele Treffer auf dem Konto wie einst Stéphane Chapuisat. Shaqiri ist indes erst bei der Hälfte der 42 Treffer von Rekordtorschütze Alex Frei angekommen.
  • Stephan Lichtsteiner bestritt gegen Serbien sein 9. WM-Spiel – damit ist er neuer alleiniger Schweizer Rekordhalter. Bisher war Charles „Kiki“ Antenen mit acht WM-Spielen 1950, 1954 und 1962 Führender dieser Rangliste. Valon Behrami hat mit nun ebenfalls acht WM-Spielen für die Schweiz zu ihm aufgeschlossen. Bisher sieben WM-Spiele haben Diego Benaglio, Gökhan Inler und Xherdan Shaqiri erlebt.
  • Das Spiel gegen Serbien war eine Premiere gegen diesen Gegner in der Schweizer Länderspielgeschichte. Bislang hatte die Schweiz nur gegen das Vorgängerland Jugoslawien und die Nachfolgestaaten Slowenien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien Länderspiele bestritten. Nicht gespielt hat die Schweiz bislang gegen Nachfolgestaat Mazedonien. Auch gegen das zwischen 2003 und 2006 zwischenzeitlich vereingte Serbien und Montenegro gab es kein Schweizer Länderspiel.
  • Alle Statistiken zum Nationalteam: www.fussball-schweiz.ch

 

WM 2018, Endrunde, Gruppe E
Serbien – Schweiz 1:2 (1:0)

22. Juni 2018, 20.00 Uhr. – Stadion Kaliningrad/Russ. – 33 167 Zuschauer. – SR Brych (De). – Tore: 5. Mitrovic (Tadic) 1:0. 52. Xhaka 1:1. 90. Shaqiri (Gavranovic) 1:2.
Serbien: Stojkovic; Ivanovic, Milenkovic, Tosic, Kolarov; Milivojevic (81. Radonjic), Matic; Tadic, Milinkovic-Savic, Kostic (64. Ljajic); Mitrovic.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Akanji, Rodriguez; Behrami, Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (73. Embolo), Zuber (94. Drmic); Seferovic (46. Gavranovic).
Bemerkungen: Beide Teams komplett. Nicht eingesetzte Schweizer Ersatzspieler: Bürki, Mvogo; Djourou, Elvedi, Gelson Fernandes, Freuler, Lang, Moubandje, Zakaria. Erstes Länderspiel der Schweiz gegen Serbien (als Nachfolgestaat Jugoslawiens). – 58. Schuss von Shaqiri an den Pfosten. – Verwarnungen: 34. Milinkovic-Savic, 39. Milivojevic, 44. Matic (alle Foul), 87. Mitrovic (Reklamieren), 92. Shaqiri (Unsportlichkeit). – Man of the match: Xherdan Shaqiri. – Ballbesitz: 42:58%. – Laufleistung: 116:112 km. – Torschüsse: 3:5. – Eckbälle: 3:7. – Pässe: 309:542. – Wetter: Wechselhaft (zum Ende des Spiels Regen), 15 Grad, 55% Luftfeuchtigkeit.

Die weiteren Resultate in der Gruppe 4: Serbien – Costa Rica 1:0. Brasilien – Costa Rica 2:0.

FIFA World Cup 2018, Gruppe E
Zwischenklassement
1. Brasilien 2 1 1 0 3:1 4
2. Schweiz 2 1 1 0 3:2 4
3. Serbien 2 1 0 1 2:2 3
4. Costa Rica 2 0 0 2 0:3 0

Die nächsten Spiele:
Schweiz-Costa Rica
Brasilien-Serbien
27. Juni 2018, 20.00 Uhr

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