Die Titel-Verteidiger


Das Wort „Titelverteidiger“ erhält in diesen Tagen eine neue Bedeutung. Es geht nicht mehr darum, einen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen, es geht darum, mit Verteidigen einen Titel zu gewinnen. Der FC Chelsea ist der Vorreiter dieser taktisch durchaus zulässigen, wenn auch nicht unbedingt massenbegeisternden Erfolgsmethode. Im letzten Jahr haben sich die Londoner den Champions-League-Titel ermauert, indem sie mit konsequentem Spiel am eigenen Strafraum sämtliche Räume für vernünftige Aktionen zugestellt haben. Vereine wie der FC Barcelona oder der FC Bayern München sind daran zerbrochen. In diesem Jahr biss sich nach dem FC Basel im Halbfinal auch Benfica Lissabon im Endspiel die offensiven Zähne aus und verlor. Chelsea hat mit Destruktion die beiden bedeutensten Titel im europäischen Fussball in Folge gewonnen – und dabei noch immer keine Zufriedenheit gefunden, wie die Trennungen von den Trainern Roberto die Matteo und Rafael Benitez unterstreichen.

Und nun also GC. In einem Cupfinal, der fussballerisch so viel hergab wie eine ausgepresste Zitrone Saft. Das taktische Mittel von GC ist legitim, keine Frage. Und mit dem Nichtangriffspakt bis 35 Meter vor dem eigenen Tor hat man jenen Schlüssel gefunden, der dem FC Basel keinen Platz für seine Angriffe überliess, dem eigenen Spiel aber immerhin die Räume zum Kontern. GC hatte am Ende mehr (und auch die besseren) Torchancen als der FC Basel, der fast ständig im Ballbesitz war (die Deutung, GC hätte den FC Basel über weite Strecken „eingeschnürt“, gehört exklusiv dem Berichterstatter von „Blick online“), aber kaum je aufs gegnerische Tor schoss. Dass der einzige Treffer der Basler ein abgefälschter Halbschuss von Markus Steinhöfer war, war irgendwie typisch für die spielerische Blutleere, die dem FCB vom Gegner aufgezwungen worden war.

Die Basler wussten irgendwie nichts anzufangen mit dem Auftritt des Gegners – und es fehlte ihnen die Inspiration und die Leidenschaft, um sich ein Gegenmittel einfallen zu lassen. So gesehen war der Sieg von GC am Ende kein Zufall, auch wenn im Penaltyschiessen selten zwei Basler nur die Querlatte treffen. Kann also ein Team einen Cuptitel holen, indem es grundsätzlich nur auf Unentschieden spielt und sich der neuen Strömung der Titel-Verteidiger anschliesst? Ja, es kann. Wir werden uns wohl an dieses Stilmittel gewöhnen müssen. Wir meinen das völlig wertungsfrei.

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