Die neue Ära im Schweizer Frauenfussball


Es ist ein spezieller Ort für den ersten öffentlichen Auftritt. Die Arrival Lounge der Swiss am Flughafen Zürich-Kloten, abends um 20.30 Uhr. Nils Nielsen ist mit dem Schweizer Frauen-Nationalteam eben aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekehrt, der 47-jährige Däne ist seit diesem Jahr der neue Nationalcoach – und ist mit seinen ersten Arbeitstagen hochzufrieden. „Ich war überrascht, wie gut sich die jungen Spielerinnen präsentiert haben“, sagt er.

Nielsen wird eine neue Ära im Schweizer Frauenfussball wesentlich mitprägen. Gemeinsam mit seiner neuen Assistentin Marisa Wunderlin, die in den vergangenen Jahren erfolgreich die Frauen des BSC Young Boys trainierte und dies bis im Sommer in Form einer Zwischenlösung weiterhin tun wird, und der neuen SFV-Frauenchefin Tatjana Hänni soll der Neuanfang zu einer Erfolgsgeschichte werden. „Wir wollen die Besten bei uns haben“, sagt dazu Laurent Prince, der Technische Direktor des SFV, und ganz offensichtlich ist es ihm gelungen, hier ein funktionierendes Team zusammenzustellen, das sich der Aufgabe des nächsten Schrittes stellen wird. Sieben Jahre lang war das Nationalteam von der Deutschen Martina Voss-Tecklenburg betreut worden, erstmals fanden die Schweizer Frauen unter ihrer Führung den Weg an eine WM- und an eine EM-Endrunde, nun ist sie dem Ruf des deutschen Fussball-Bundes gefolgt.

Nielsen bringt eine grosse Erfolgsgeschichte mit. Er führte das dänische Frauen-Nationalteam 2017 bis in den Final der EURO in Holland, eine Million Dänen haben das Ereignis zu Hause am Fernsehen verfolgt – eine Traumquote. „Er ist ein Performer, aber auch ein Entwickler, und das ist für uns sehr wichtig“, sagt Prince. Die ersten positiven Eindrücke hat der Cheftechniker des SFV schon bei seinem Besuch im Trainingslager in Spanien einsammeln können, „ich habe dort Topqualität gesehen“. Nielsen selbst setzt auf mentale Stärke als oberstes Gebot. „Wer im Kopf nicht frei und stark ist, kann keine Leistung bringen.“ Er möchte mehr Lockerheit ins Team bringen, „ich kann nicht arbeiten, ohne Spass zu haben“.

Nielsen betont, dass er das jüngste Team in Europas Top 20 trainieren würde, er war angetan über die Leistung seiner Spielerinnen im Traininsspiel gegen Kanada (0:0), einer Topnation im internationalen Frauenfussball. Schritt für Schritt will er sein Team nun vorbereiten auf die nächste Herausforderung, die im Herbst 2019 beginnende Qualifikation zur EURO 2021 in England. „Ich will etwas neue Energie ins Team bringen. Der Däne wird mit seiner Familie – er ist Vater eines knapp zweijährigen Sohnes – im Februar in die Schweiz ziehen. Seine Frau hatte früher schon mal vier Jahre in der Schweiz gelebt. „Es war für uns ein einfacher Entscheid.“

Tatjana Hänni ist froh um ihr neues Trainergespann im A-Nationalteam. Ihre eigene Position sieht sie als „Sechser im Lotto“. Sie arbeitete schon bei der UEFA und bei der FIFA in leitender Funktion der Frauenfussballentwicklung. Nun hat sie sich für den Schweizer Frauenfussball vier Punkte vorgenommen, die sie in den nächsten Monaten angehen möchte. „Wir müssen die Liga stärken“, sagt sie. Die Nationalliga A mit acht Teams soll noch stärker an die Vereine der SFL angebunden werden. Sie hat die Vorteile einer solchen Konstellation als langjährige Präsidentin der FC Zürich Frauen durchlebt und ist überzeugt von diesem Modell. Sie will mehr Spielerinnen in der Breite mit der Vision, dass „jeder Fussballverein in der Schweiz mindestens ein Mädchenteam führt“. Sie will mehr Frauen in Führungspositionen im Fussball etablieren und sie will verstärkte Anstrengungen in der Promotion, in der Kommunikation und im Marketing unternehmen. Ein „Match of the month“ in der Nationalliga A soll die öffentliche Aufmerksamkeit erhöhen.

Es steckt viel Aufbruchstimmung im Schweizer Frauenfussball – der Umstand, dass man die WM diesen Sommer in Frankreich in der Zuschauerrolle verbringen muss, ist nicht schön, aber wird auch als Chance gesehen, die Zeit für die Zukunftsgestaltung nutzen zu können.

Kommentare sind geschlossen.