Die grössten Europacupnächte


Der FC Basel spielt im Viertelfinal der Europa League gegen Tottenham Hotspur. Für die Basler ist es erst das dritte Mal in der Vereingeschichte, dass sie soweit vorstossen – und in der Schweizer Fussballgeschichte gibt es einige wenige Highlights auf europäischer Bühne, die weit nach vorne führten und unvergessen bleiben. Eine geschichtliche Europareise.

 

1958/59

Europacup der Meister, Halbfinal

BSC Young Boys – Stade Reims/Fr

Das grosse YB der 1950er-Jahre, das als bisher einziges Schweizer Team vier Meistertitel in Serie holte, schaltete im Europacup der Meister 1958/59 nach dem Rückzug von Manchester United und dem kampflosten Einzug in die Achtelfinals MTK Budapest und Karl Marx Stadt (das heutige Chemnitz) aus, ehe es am 15. April 1959 zum Halbfinal-Heimspiel gegen Stade Reims/Fr kam. Das Wankdorf war hoffnungslos überfüllt, die Rede ist von 70 000 Zuschauern, die nach dem 1:0-Siegtor von Eugen „Geni“ Meier, dem Bomben-Meier, in der 13. Minute völlig aus dem Häuschen waren. Walter Eich im Tor blieb ohne Gegentreffer, Heinz Schneiter räumte ab, doch das 1:0 reichte am Ende nicht für den Final. Das Rückspiel im Pariser Parc des Princes (einen Monat später…) ging mit 0:3 verloren.

 

1963/64

Europacup der Meister, Halbfinal

FC Zürich – Real Madrid

Dundald/Irl, Galatasaray Istanbul und PSV Eindhoven hiessen die Stationen, die der FC Zürich in seiner eindrücklichen Kampagne 1963/64 durchlief, ehe es zum Halbfinal gegen Real Madrid kam. Die Spanier waren zu jener Zeit das wohl beste Team auf dem Kontinent, getragen vom unvergessenen Alfredo di Stefano, der im Hinspiel auf dem vollbesetzten Letzigrund auch einen Treffer zum 2:1-Sieg Reals beisteuerte. Auswärts war die Sache dann eine eindeutige: gleich mit 0:6 gingen Köbi Kuhn & Co. im Bernabeu von Madrid unter.

 

1973/74

Europacup der Meister, Viertelfinal

FC Basel – Celtic Glasgow

Eine unvergessliche Europacup-Nacht hatten die Basler nach dem 6:4-Heimsieg gegen den FC Brügge im dünn besiedelten „Joggeli“ schon hinter sich (Ottmar Hitzfeld erzielte drei Tore), als im Viertelfinal Celtic Glasgow wartete. Die Basler hatten den Nachteil, dass sie nach der Winterpause noch keine Spielpraxis hatten, die Partie wurde wegen der Fasnacht ausserdem um eine Woche auf den 27. Februar 1974 vorverlegt. Doch sie legten sich nach dem Rückstand gut ins Zeug, schafften dank Hitzfeld und Karl Odermatt die Wende zum 3:2-Erfolg. Im Rückspiel war die Kulisse mit 70 000 schottischen Fans grossartig und beeindruckte die Basler dermassen, dass sie schon nach etwas über einer Viertelstunde 0:2 zurücklagen. Doch dann glichen Mundschin und Balmer aus, ehe Callaghar zum 3:2 traf. Es kam zur Verlängerung, in die Schotten noch mehr Kräfte mobilisieren konnten und durch Murray in die Halbfinals einzogen.

 

1976/77

Europacup der Meister, Halbfinal

FC Zürich – FC Liverpool

Die Zürcher zogen mit Erfolgen gegen die Glasgow Rangers, Turku/Fi und Dynamo Dresden/DDR in die Halbfinals des Meistercups der Saison 1976/77 ein. Dort wartete das grosse Liverpool mit dem stilprägenden Starspieler Kevin Keegan, das mit einem Penaltytreffer von Peter Risi im Hinspiel schon in der 6. Minute in Rücklage geriet. Doch Phil Neil und Heighway drehten die Partie relativ mühelos. Nach dem 3:1-Auswärtssieg liessen es die Engländer im Rückspiel locker angehen und kamen zu einem 3:0-Erfolg.

 

1977/78

UEFA-Cup, Halbfinal

Grasshoppers Zürich – SC Bastia/Fr (Bild)

Emotional war die Stimmung beim Rückspiel des UEFA-Cup-Halbfinals zwischen den Grasshoppers und dem korsischen Team des SC Bastia im Stade Armand-Cesari. Die Fans liessen nichts unversucht, um die Schweizer nach deren 3:2-Erfolg im Hinspiel zu verunsichern. Die Franzosen zeigten einen einzigen Sturmlauf und schossen schliesslich in der 67. Minute durch Papi jenes Tor, das ihnen für den Finaleinzug reichte. Die Zürcher mussten vielen Chancen im Hinspiel nachtrauern, die ihnen ein fetteres Polster verschafft hätten. Es war zweifellos jene Europacup-Kampagne eines Schweizer Clubs, die am knappsten am Finaleinzug scheiterte. Auf dem Weg in den Halbfinal hatte GC Eintracht Frankfurt eliminiert, das mit Bernd Hölzenbein immerhin Bayern München aus dem Wettbewerb geworfen hatte.

 

1985/86

UEFA-Cup, Viertelfinal

Neuchâtel Xamax – Real Madrid

Ja, Xamax hatte grosse Zeiten Mitte der 1980er-Jahre. Das Geld aus der Baubranche floss in Strömen, Uli Stielike, der nach erfolgreichen Jahren bei Real Madrid auf die Maladière gelockt werden konnte, war die prägende Figur an jenem 19. März 1986, als sich die Neuenburger aufmachten, ein 0:3-Handicap aus dem Hinspiel noch wettmachen zu können. Das Stadion war proppenvoll, auf den Presseplätzen war kaum Raum, um den Stift zum Blatt zu führen. Und in der 10. Minute lancierte Stielike mit seinem 1:0 die Aufholjagd. Doch trotz aller Bemühungen gelang der zweite Treffer durch Maurizio Jacobacci erst in der Schlussminute – es reichte nicht mehr um mit einem dritten Treffer in die Verlängerung zu ziehen. Dennoch eine denkwürdige Nacht auf der Maladière.

 

1995/96 und 1996/97

Champions League, Gruppenphase

Grasshoppers Zürich

Erstmals konnte sich mit den von Christian Gross trainierten Grasshoppers ein Schweizer Club für die Gruppenphase der neu geschaffenen Champions League qualifizieren. Die erste Kampagne brachte zwei Niederlagen gegen Real Madrid und zwei Unentschieden gegen Ajax Amsterdam (0:0) und Ferencvaros Budapest (3:3), in der Folgesaison 1996/97 bleibt der Gewaltsschuss von Murat Yakin zum 1:0-Auswärtserfolg bei Ajax in Erinnerung. Doch nach zwei Auswärtsniederlagen bei der AJ Auxerre und den Glasgow Rangers sowie dem 0:1 im abschliessenden Spiel gegen Ajax Amsterdam (das 0:1 erzielte Patrick Kluivert) reichte es nicht zum Weiterkommen, für das ein Unentschieden benötigt worden wäre.

 

2002/2003

Champions League, Zwischengruppe

FC Basel

Eine historische Kampagne des FC Basel – ebenfalls wieder unter Trainer Christian Gross. Legendär das 3:3 im letzten Gruppenspiel gegen den FC Liverpool, als man sich nach einer schnellen 3:0-Führung noch mit einem 3:3 in die damals noch existierende Zwischenrunde hievte. Schon die Qualifikation für die Gruppenphase war gegen Celtic Glasgow an einem extrem dünnen Faden gehangen. Nun aber gab es weitere Erfolgsmeldungen mit dem Unentschieden auswärts gegen Manchester United (1:1, Basler Tor durch Christian Gimenez) und dem abschliessenden 2:1-Erfolg gegen Juventus Turin, der allerdings fürs Weiterkommen nicht reichte. So viel europäische Klasse in einer einzigen Saison in einem Schweizer Stadion – das wird es wohl in dieser Dichte nie mehr geben.

 

2005/2006

UEFA-Cup, Viertelfinals

FC Basel – FC Middlesbrough/Eng

Der FC Basel war in der Champions-League-Qualifikation an Werder Bremen gescheitert, legte nun aber eine eindrückliche Kampagne im UEFA-Cup hin. Mit fremder Hilfe aus Strasbourg wurde die nach einer 1:3-Niederlage bei der AS Roma schon fast gescheiterte Gruppenphase doch noch überstanden, dann gelang über die beiden Ligue-1-Vereine AS Monaco und Racing Strasbourg der Einzug in die Viertelfinals. Nach einem 2:0-Heimsieg gegen den FC Middlesbrough (Tore durch Matias Delgado und David Degen) sah es enorm gut aus für die Basler, doch im Rückspiel liessen sie sich nach einer zusätzlich Sicherheit verleihenden 1:0-Führung zu sehr am eigenen Strafraum einengen und kassierten in der 90. Minute das entscheidende Gegentor zum 1:4. Die grosse Chance war verpasst.

 

2005/2006

Champions League, Gruppenphase

FC Thun

Der FC Thun hatte sich als Meisterschaftszweiter im Gegensatz zu Meister Basel für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert und erreichte gegen Arsenal London, Sparta Prag und Ajax Amsterdam immerhin den dritten Gruppenrang, der noch zur weiteren Teilnahme am UEFA-Cup berechtigte. Dort war der Hamburger SV dann Endstation. Die Europacupnächte im Stade de Suisse für den krassen Schweizer Aussenseiter waren aber von besonderer Stimmung und Emotionalität geprägt. Die Thuner indessen verkrafteten den Höhenflug nicht, schnell war das viele eingenommene Geld wieder ausgegeben und der sportliche Niedergang in die Challenge League besiegelt.

 

2008/2009

Champions League, Gruppenphase

FC Basel

 

Erstmals nach sechs Jahren und einigen gescheiterten Qualifikationen schaffte es der FC Basel als Meister wieder in die Gruppenphase der Champions League. Doch die glänzende Kampagne 2002/2003 konnte nicht wiederholt werden, in der Gruppe mit Schachtjor Donezk, Sporting Lissabon und dem FC Barcelona reichte es nur zu einer kleinen Ehrenmeldung, dem 1:1 beim FC Barcelona, als Eren Derdiyok in der 82. Minute den Führungstreffer Lionel Messis ausgleichen konnte. Die übrigen Spiele wurden verloren, auch die Heimpartie gegen die Katalanen, die 0:5 endete, das Publikum in Basel aber dennoch in Verzückung versetzte ob des eindrücklichen Auftritts von Messi und Kollegen.

 

2009/2010

Champions League, Gruppenphase

FC Zürich

Erstmals schaffte es nach zwei gescheiterten Anläufen auch der FC Zürich in die Champions League, nachdem er in der Qualifikation NK Maribor und Ventspils eliminiert hatte. Und mit dem 1:0-Auswärtssieg im San Siro gegen die AC Milan (Hannu Tihinen traf in der 10. Minute) wurde die Gruppenphase lanciert. Gegen Milan gabs auch auf dem Letzigrund ein 1:1, doch die Partien gegen Olympique Marseille und Real Madrid gingen allesamt verloren, zum Teil deftig (1:6 in Marseille, 2:5 gegen Real). So war das Abenteuer als Tabellenletzter vorzeitig beendet.

 

2010/2011 und 2011/2012

Champions League, Gruppenphase

FC Basel

Zum dritten und vierten Mal schaffte es der FC Basel in den Saisons 2010/2011 und 2011/2012 in die Gruppenphase der Champions League. Mit einer 1:2-Niederlage gegen CFR Cluj begann die Kampagne aber denkbar ungünstig – und von diesem Rückschlag erholte man sich nicht mehr wirklich. Es folgte eine Heimniederlage gegen Bayern München (1:2), ein achtbarer Auswärtserfolg gegen die AS Roma (3:1), dem allerdings gleich eine ziemlich unnötige 2:3-Heimniederlage gegen den selben Gegner hinterher geschickt wurde. Die Basler erwiesen sich insgesamt als defensiv zu undiszpliniert, um auf dieser Ebene zu bestehen. Sie zahlten unter ihrem Trainer Thorsten Fink Lehrgeld. In der Folgesaison war der Schweizer Meister erstmals direkt für die Gruppenphase qualifiziert – und das sollte sich auszahlen. Die Basler schickten Manchester United dank einem 3:3 auswärts und einem 2:1-Heimsieg aus der Gruppe und bezwangen dann im Achtelfinal-Heimspiel Bayern München mit 1:0. Mit einer happigen 0:7-Niederlage im Rückspiel war die internationale Saison dann aber abprubt beendet.

 

 

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