Die doppelte Unterschrift


Es ist doch oft so. Wenn irgendwo ein Problem entsteht, dann kann sich kaum einer erinnern, kaum einer ist Schuld, kaum einer weiss etwas. Und wenn, dann weiss er vielleicht am ehesten, dass nicht er, sondern alle anderen die Verantwortung zu tragen haben. Nun haben wir also den Fall von Geoffrey Serey Die. Ein Fussballer von der Elfenbeinküste, der einen auffälligen Haarschnitt hat und schnittige Zweikämpfe zu bestreiten weiss. Er ist ein guter Fussballer, das wussten auch die Verantwortlichen des FC Basel, als sie ihn im Winter für 1,5 Millionen Franken vom FC Sion holten.

Es war ein starker Transfer, Serey Die war so etwas wie die Seele beim FC Sion. Und wie wichtig er war, sah man dann im Frühjahr, als bei den Wallisern gar nichts mehr zusammenlief. Beim FC Basel sollte er den Grad an Titelhunger und Aggressivität im Spielzentrum erhöhen – die Rechnung ging auf, auch wenn der Afrikaner nicht ganz die dominante Ausstrahlung hatte wie noch bei seinem Vorgängerverein. Vielleicht lag es daran, dass im Frühjahr eine alte Geschichte wieder aufkam, eine Geschichte, von der niemand mehr etwas zu wissen schien, oder mindestens nicht mehr wissen wollte.

Damals, im Sommer 2008, hatt Geoffrey Serey Die in Algerien bei ES Sétif gespielt. Er wollte sich verändern, unterschrieb gleich für fünf Jahre in Ägypten beim SC Zamalek in Kairo. Doch dann meldete sich der FC Sion aus der Schweiz – und auch hier unterschrieb Serey Die – am 28. Mai 2008. Der SC Zalamek erachtete das als unfeine Art und schaltete die FIFA ein. Diese hat nun – fünf Jahre später (!) – eine viermonatige Sperre gegen Serey Die verhängt, die er beim FC Basel mit Beginn der neuen Saison absitzen muss. Serey Die wird, würde das CAS in Lausanne bei einem allfälligen Rekurs des Spielers oder des Zamalek SC die Sperre bestätigen, die Champions League verpassen.

Das sind die Fakten. Nun aber stellt sich doch die Frage, wer was wusste. Der Spieler sicher, der beide Verträge unterzeichnet hatte. Der FC Sion vielleicht auch. Eine von beiden Parteien hätte den FC Basel beim Transfer im Winter zwingend informieren müssen, denn dort sagen die Verantwortlichen, sie hätten erst im Frühjahr 2013 durch die FIFA über das hängige Verfahren Bescheid erhalten. Der FC Basel ist der Leidtragende der Angelegenheit, er hat sich keines fehlbaren Verhaltens schuldig gemacht und muss nun womöglich auf einen Spieler verzichten, den er teuer eingekauft hat. Die Deklaration war mangelhaft. Der Milch sieht man von aussen nicht an, wenn sie sauer ist. Man würde sie in jedem Fall in den Laden zurückbringen. Bei einem Fussballer ist das ein wenig schwieriger. Aber es zeichnet sich ein weiterer Rechtsstreit ab im Schweizer Fussball – und mittendrin ist wieder einmal der FC Sion, der sich gewiss auf den Standpunkt stellen wird, von nichts gewusst zu haben. Die doppelte Unterschrift von damals wird nun zum mehrfachen Problem.

Kommentare sind geschlossen.