Der zweite Final nach 1955



Der FC Thun steht im Final des Helvetia Schweizer Cup am 19. Mai in Bern. Eine Rarität, denn die letzte Finalteilnahme der Berner Oberländer liegt 64 Jahre zurück!

Der FC Thun 1955 – das war gar nicht so viel anders wie der FC Thun der Neuzeit. Der Verein machte aus wenigen Mitteln sehr viel. Die Saison 1954/55 war die erste – und bis ins neue Jahrtausend die einzige – Saison in der obersten Schweizer Spielklasse, der Nationalliga A. Der Aufstieg war gemeinsam mit dem punktgleichen FC Lugano gelungen, die Saison im Oberhaus hingegen lief nicht gut und endete im sofortigen Wiederabstieg.

Im Schweizer Cup dagegen kämpften sich die Berner bis ins Endspiel, begünstigt, das sei hier auch erwähnt, durch eine Auslosung, die ihnen erst im Halbfinal einen Konkurrenten aus der NLA, Fribourg, bescherte. Doch das kümmerte das Team von Captain Ernst Aebi wenig. Es hatte durchaus seine Argumente, Heinz Schneiter, der spätere Abwehrturm der Young Boys und des Schweizer Nationalteams, gehörte zum Kader, genauso wie der Österreicher Hermann Czischek, der der beste Torschütze der Mannschaft war.

Er schrieb auch im Cupfinal vom Ostermontag, 11. April, seine Geschichte. Eine Geschichte, die nicht für die Thuner lief an jenem kühl-regnerischen Nachmittag vor 25‘000 Zuschauern im Wankdorf-Stadion, das ein Jahr zuvor den legendären WM-Final zwischen den Ungarn und Deutschland erlebt hatte, das „Wunder von Bern“. Ein solches blieb aus Thuner Sicht deutlich aus, schon nach 19 Minuten führte La Chaux-de-Fonds, das beste Schweizer Fussballteam jener Zeit, mit 3:0, Marcel Mauron hatte doppelt getroffen, Adrian Kauer sorgte für die frühe Entscheidung. Die Jurassier hatten ein grosses Team beisammen, mit den Nationalspielern Willy Kernen, Olivier Eggimann, Marcel Morand, Kiki Antenen und Gilbert Fesselet – und mit dem tschechischen Trainer Georges Sobotka, der als Spielertrainer gekommen war, den Verein zwölf Jahre lang trainierte und später auch kurze Zeit Schweizer Nationaltrainer wurde. Dieses Ensemble hatte schon 1954 das nationale Double geholt, nun gelang die Wiederholung dieses sportlichen Meisterstücks.

Der FC Thun hatte dem wenig entgegenzusetzen und kam erst ins Spiel, als ChdF die Zügel etwas lockerte. Thommen gelang noch vor der Pause der Anschluss zum 1:3, dabei blieb es bis zum Ende, auch weil – eben dieser – Hermann Czischek sechs Minuten vor Schluss die Chance vergab, es mit einem verwandelten Foulpenalty doch noch einmal spannend zu machen. Doch Goalie Joseph Fischli lenkte seinen Versuch spektakulär an die Querlatte.

Die Pokalübergabe war damals noch eine gesittete Angelegenheit. Der SFV-Präsident Gustav Wiederkehr hielt eine Ansprache, der alle lauschten, danach wurde die Trophäe überreicht und nach damaligen Usus dem Verlierer-Captain, Ernst Aebi, der erste Schluck aus dem Sandoz-Pokal gewährt. Das war sie also, die Thuner Cupfinalgeschichte bis heute. Nun wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, am 19. Mai stehen die Berner Oberländer ein zweites Mal in einem Final. Die Verhältnisse dürften diesmal weniger klar sein. Natürlich ist der FC Thun selten der Favorit, aber der Abstand zum Gegner wird ein kleinerer sein als damals 1955. Und eines ist geblieben, wie die „NZZ“ schon damals pathetisch feststellen durfte: „Ein Cupfinal ist keine Schönheitskonkurrenz.“

Saison 1954/55

30. Schweizer Cupfinal

FC La Chaux-de-Fonds – FC Thun 3:1 (3:1)

Ostermontag, 11. April 1955. – Stadion Wankdorf, Bern. – 25 000 Zuschauer. – SR Buchmüller. – Tore: 3. Mauron 1:0. 13. Mauron 2:0. 19. Kauer 3:0. 71. Thommen 3:1.

ChdF: Fischli; Zappella, Kernen, Bühler; Eggimann, Peney; Morand, Antenen, Kauer, Mauron, Fesselet. – Trainer: Georges Sobotka.

Thun: Roth; Bartesaghi, Zehnder, Ammann; Aebi, Schneiter; Rothenbühler, Thommen, Czischek, Jauner, Frischkopf.

Bemerkungen: 84. Fischli lenkt Foulpenalty von Czischek an die Querlatte.

Die Wege in den Final. 1/32-Finals: La Chaux-de-Fonds – La Tour-de-Peilz 6:2. Thun – Martigny 3:0. – 1/16-Finals: Sierre – La Chaux-de-Fonds 1:9. Thun – ASEP St. Imier 8:2. – Achtelfinals: Lengnau – La Chaux-de-Fonds 1:3. Thun – Schaffhausen 4:1. – Viertelfinals: Zürich – La Chaux-de-Fonds 0:0 n.V. Wiederholung: ChdF – Zürich 4:0. Nordstern Basel – Thun 1:2. – Halbfinals: Lausanne – La Chaux-de-Fonds 1:3. Fribourg – Thun 0:1.

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