Der FCZ zum Zehnten


Schweizer Meister BSC Young Boys verpasste im Schweizer Cupfinal im eigenen Stadion das Double, weil er auf einen kämpferischen, euphorischen und unbändigen FC Zürich traf und selbst zu wenig Emotion ins Spiel brachte. Schlüsselfiguren beim FCZ waren Michael Frey, Rasmus Thelander und Trainer Ludovic Magnin.

Ludovic Magnin war nicht mehr zu halten. Der Schlusspfiff von Schiedsrichter Adrien Jaccottet war für ihn der Startschuss für einen Sprint, bei dem keines seiner Staffmitglieder oder ein Reservespieler mehr hätte mithalten können. Er war schnell und er zeigte, wie weit ein Mensch den Mund vor Freude und Euphorie aufreissen kann. Irgendwo landete er unter einer Traube seiner Spieler, sein Rücken schmerzte, aber das war ziemlich egal an diesem Sonntagnachmittag. Drei Monate zuvor hatte Ludovic Magnin beim FC Zürich das Traineramt von Uli Forte übernommen, er brachte seine Mentalität ins Team, „die Mannschaft war unglaublich“, sagte er nach dem Spiel.

Der FCZ hatte Hindernisse zu überwinden im Stadion von Schweizer Meister Young Boys. Vor dem Spiel fiel Captain Alain Nef verletzt aus, nach 68 Minuten musste der zur Pause eingewechselte Pape Sarr nach zwei harten Fouls vorzeitig vom Platz. Aber der FCZ steckte auch das weg, baute die Führung kurz danach durch eine wunderbare Einzelaktion von Antonio Marchesano auf 2:0 aus – und das reichte trotz des Anschlusstreffers von Miralem Sulejmani zehn Minuten vor Schluss.

Die Zürcher hatten einen fulminanten Start hingelegt. Stürmer Michael Frey, von YB-Trainer Adi Hütter aussortiert und nun in den Farben des FC Zürich ganz besonders „on fire“, wollte eine Mission erfüllen, schoss schon nach wenigen Sekunden knapp am Tor vorbei, traf nach elf Minuten nach einer starken Ballmitnahme und einem tückischen Flachschuss zum 1:0 und war fortan überall dort im Mittelpunkt, wo es galt, seinen unbändigen Willen zu demonstrieren. Auch beim Torjubel, als er sich demonstrativ vor Hütter artikulierte.

Frey war zweifellos eine Schlüsselfigur für diesen Cupsieg, Rasmus Thelander, der Ersatzcaptain eine andere. Er hielt die Abwehr zusammen, rettete spektakulär gegen Roger Assales Schuss, ging mit nach vorne, sorgte für Gefahr. Michael Frey war am Ende Cupsieger und sagte: „Ich habe mir schon als kleiner Junge vorgestellt, in diesem Stadion einmal einen Titel zu holen. Jetzt ist es zwar in den anderen Farben, aber genauso schön. Wäre ich noch bei YB, sie hätten das Double geholt.“

93. Schweizer Cupfinal

FC Zürich – BSC Young Boys 2:1 (1:0)

Sonntag, 27. Mai 2018, 14.00 Uhr. – Stade de Suisse, Bern. – 30’000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Jaccottet. – Tor: 11. Frey (Brunner) 1:0. 74. Marchesano (Pa Modou) 2:0. 80. Sulejmani (Ngamaleu) 2:1.

FC Zürich: Brecher; Thelander, Brunner, Kryeziu; Rüegg, Palsson, Marchesano (78. Schönbächler), Domgjoni (46. Sarr), Pa Modou; Frey (92. Rodriguez), Winter.

BSC Young Boys: Wölfli; Lotomba (46. Schick), Nuhu, Von Bergen, Benito (76. Ngamaleu); Fassnacht, Sanogo, Bertone, Sulejmani; Assalé (59. Nsame), Hoarau.

Bemerkungen: Zürich ohne Dwamena (gesperrt), Nef, Alesevic, Kempter, Maouche, Bangura und Schättin (alle verletzt); Young Boys ohne Mbabu (gesperrt) und von Ballmoos (verletzt). – Platzverweis: 67. Sarr (Gelb-Rote Karte nach Foul). – Verwarnungen: 15. Nuhu (Foul). 24. Sanogo (Unsportlichkeit). 24. Frey (Unsportlichkeit). 59. Sarr (Foul). 83. Thelander (Foul). 89. Brecher (Zeitspiel). 93. Schick (Foul).

Die Wege in den Final. 1/32-Finals: FC Chippis (2.i.) – FC Zürich 0:10. FC Breitenrain (1.) – BSC Young Boys 0:3. – Sechzehntelfinals: FC Bassersdorf (2.) – FC Zürich 0:3. BSC Old Boys Basel (PL) – BSC Young Boys 0:4. – Achtelfinals: FC Stade Lausanne-Ouchy (PL) – FC Zürich 1:4. FC Münsingen (1.) – BSC Young Boys 0:3. – Viertelfinals: FC Zürich – FC Thun 4:3. BSC Young Boys – FC St. Gallen 2:1. – Halbfinals: FC Zürich – Grasshopper Club Zürich 2:1. BSC Young Boys – FC Basel 1893 2:0.

 

Kommentare sind geschlossen.