Braucht eine Liga einen „Bad Boy“?


Aleksandar Dragovic hat wieder einmal „zugeschlagen“ – nicht im wörtlichen Sinn, sondern im übergeordeten. „Hurensöhne“, schimpfte der österreichische Verteidiger des FC Basel am vergangenen Sonntag in Richtung FCZ-Bank. Dazu zeigte er den Finger, der zwischen Ring- und Zeigefinger liegt. Später entschuldigte sich Dragovic für sein „Verhalten“ – so wie er sich einst bei Bundesrat Ueli Maurer für die Hinterkopf-Behandlung entschuldigt hatte.

Dragovic also kultiviert sein Image als „Bad Boy“ der Raiffeisen Super League. Die Frage ist: Brauchen wir solche Typen? Und schauen wir weg, wenn wir neue Schlagzeilen aus seiner Welt lesen? Nein, tun wir nicht. Also interessieren wir uns zumindest ein Stück weit für diese Typen. So wie wir uns früher die wiederholten Verfehlungen eines Carlos Varela angetan haben. Soll jetzt nur keiner kommen und sagen, er wisse nicht mehr, wer Carlos Varela ist. Varela, der ehemalige Mittelfeldpartner von Augustine Simo oder Sehar Fejzulahi… (Sie verstehen, wie dieser Satz gemeint ist).

Allerdings ist Dargovic im Vergleich zu anderen schlimmen Buben ein harmloser Zeitgenosse. Zum Beispiel Joey Barton (Foto): Vom Können her müsste er Nationalspieler in England sein, aber der Typ hat Probleme: Zum Beispiel in Newcastle, wo er alkoholisiert Passanten anfährt und Taxifahrer verprügelt. Barton wird zu einem halben Jahr Knast verurteilt. 74 Tage sitzt er ab. Abgeschoben zu den Queens Park Rangers verliert er in einem Spiel gegen seinen Ex-Club Manchester City die Nerven: Gegen Tévez (Schlagen), Agüero (Treten) und Kompany (versuchter Kopfstoss) sorgt er für einen Tätlichkeits-Hattrick. Die Folge: zwölf Spiele Sperre.

In der Bundesliga gibt es Marko Arnautovic oder Maik Franz, aus Holland kommt Mark van Bommel, der halb Europa unsicher gemacht hat, die Iren hatten Roy Keane, die Franzosen Eric Cantona, und ferner fallen uns Stefan Effenberg, Paul Gascoigne, Gennaro Gattuso, Paulo Guerrero und und und noch ein.

Teilweise kicken sie schon lange nicht mehr – so wie viele andere frühere Fussballprofis. Nur haben wir die im Unterschied zu den „Bad Boys“ längst vergessen. Dragovic ist drauf und dran, sich nachhaltig einen Namen zu machen. Wenn er „bad“ cool findet, ist es seine Sache. Aber das ist eines Tages in Bezug auf die Beurteilung nicht mehr Sache des Fussballs, sondern des Charakters.

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