13 Jahre, 13 Monate


13 Jahre lang spielte Gennaro Gattuso für die AC Milan – er holte Titel, wurde mit Italien Weltmeister, arbeitete an seinem Ruf als Aggressivleader der Rot-Schwarzen. Zum Ende seiner Karriere befürchtete er nicht mehr viel Schlimmes, als er sich von Christian Constantin davon überzeugen liess, ins Wallis zum FC Sion zu wechseln und dem Club zu helfen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Gattuso hat sich ziemlich getäuscht. Im fussballerischen Vorruhestand jedenfalls sieht er sich nach turbulenten Wochen rund um Constantin und den FC Sion nicht.

Er wurde als Spieler zur grossen Figur, er lernte schnell, dass er mitbestimmen soll und darf, dass er sich dazu äussern darf, wenn ein Trainer nicht das tut, was er als Fussballer von Welt so gewöhnt ist. Michel Decastel wurde nach nur 57 Amtstagen entlassen, es war im Oktober letzten Jahres seine zweite Amtszeit unter Constantin, sie war wie viele Amtszeiten vieler anderer Trainer sehr kurz. Dass sich die Arbeit eines erfahrenen Trainers durchaus lohnen kann, bewies Decastel in der U21. Dort durfte er unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit (und nur unter distanzierter Beobachtung Constantins) seine Fähigkeiten als Ausbildner unter Beweis stellen, brachte das Nachwuchsteam kräftig voran und führte es bis auf Rang 4 der 1. Liga Promotion. Ironie des Schicksals: nun darf (oder soll man sagen: muss) Decastel wieder ins Stahlbad der ersten Mannschaft. Und zu dieser zählt weiterhin Gattuso, der als Trainer nun nichts mehr zu sagen hat, als Spieler aufgrund mangelnder Physis und Verletzungssorgen zwar nicht mehr spielt, aber wohl immer noch seinen Kommentar geben darf. Das Kuriose im Verein wird definitiv ad absurdum geführt.

Decastel darf gleich eine ganze Reihe von seinen U21-Kaderspielern mit nach oben nehmen, denn mit dem (vielleicht) letzten Trainerwechsel dieser Saison hat Constantin auch noch eine gründliche Rasur des Kaders der ersten Mannschaft verbunden. Dass Alberto Regazzoni nun schon in zwei Vereinen in einer Saison suspendiert wurde, gehört wohl auch zu den Einmaligkeiten im Schweizer Clubfussball. Ob die Massnahme im Wallis heilbringend ist, bleibt dahingestellt. Die U21 wird nicht nur ihres Trainers und Ausbildners beraubt, sondern auch einer ganzen Reihe ihrer Spieler. Denn alle, die nun in der Super League auflaufen, sind jeweils im nächsten Spiel der U21 nicht mehr spielberechtigt. Und von den nun suspendierten Akteuren dürfen in der Schlussphase der 1.-Liga-Meisterschaft nur noch jene mittun, die eine gewisse Anzahl Spiele in der U21 absolviert haben. Daran hat man wohl nicht gedacht beim grossen Reinemachen in Sion. Aber ganz so wichtig ist das vielleicht auch alles gar nicht.

Gennaro Gattuso jedenfalls ist im fussballerischen Spätherbst noch einmal ziemlich in Trubel geraten. Mal schauen, wie lange es dauert, bis sich der nächste ehemalige Weltstar ins Wallis trauen wird…

 

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