Steffen, Willi


Geburtstag: 17. März 1925
Todestag: 3. Mai 2005
Position: Verteidiger
Nationalmannschaft: Erstes Länderspiel: 8. April 1945 gegen Frankreich in Lausanne (1:0)
Letztes Länderspiel: 19. Mai 1955 gegen Holland in Rotterdam (1:4)
Länderspiele: 28
WM-Teilnahmen: 1954
Stationen: 1940-1942 FC Utzensdorf
1942–11/1946 Cantonal Neuchâtel
11/1946–5/1947 FC Chelsea/Eng
1947–1951 Cantonal Neuchâtel
1951–1960 BSC Young Boys
Erfolge: Schweizer Meister 1957, 1958, 1959, 1960 (alle mit YB)
Schweizer Cupsieger 1953, 1958 (beide mit YB)
Schweizer Doublegewinner 1958 (mit YB)
Total 265 Spiele in der NLA, kein Tor
20 Spiele (First Division und Cup) für den FC Chelsea, 2 Tore
Vier Teilnahmen am Europacup der Meister
1957, 1958, 1959, 1960
Halbfinalist im Europacup der Meister 1959
(mit YB; gegen Stade Reims/Fr)
  • Seine ersten fussballerischen Gehversuch machte er im Club seines Wohnorts, dem Drittligisten FC Utzensdorf. In Neuenburg besuchte er anschliessend die Handelsschule und fiel beim traditionellen Fussballspiel gegen die Handelsschule von Lausanne Beoabachtern des FC Cantonal Neuchâtel auf. Für 500 Franken Ablöse wechselte er 1942 in die Nationalliga A.
  • Einen Tag nach seinem ersten Länderspiel, am 8. April 1945 in Lausanne gegen Frankreich, musste er in die Rekrutenschule einrücken. Dort war er, einen Tag nach dem 1:0-Triumph, wieder auf dem Boden der Realität angekommen
  • Gemeinsam mit dem Basler Rudolf Gyger, der ebenfalls bei Cantonal spielte, bildete er in den folgenden Jahren ein starkes Verteidigerpaar im Club und in der Schweizer Nationalmannschaft
  • Auf die Saison 1946/47 hin reiste Steffen nicht des Fussballs wegen, sondern aus beruflichen Gründen, nach England. Seine Eltern wollten ihn mit dem Aufenthalt auf die Übernahme ihres Frucht- und Gemüsehandelsbetriebs vorbereiten
  • Steffens Englischlehrerin war jedoch die Frau des damaligen Managers des FC Chelsea, Billy Birrell. Und so unterschrieb Steffen im Juli 1946 nach einem Testlauf einen Vertrag als einziger Amateurspieler beim Londoner Club und landete als erster Schweizer in der höchsten englischen Liga.
  • Steffen, ein blonder, stämmiger und gut aussehender junger Mann entwickelte sich nicht nur zur Stammkraft, sondern auch zum Publikumsliebling. 20 Spiele machte er für den FC Chelsea in der Saison 1946/47, 15 in der damaligen First Divison, aber auch ein ganz starkes im FA Cup gegen Arsenal. Der 1/32-Final war zweimal 1:1 ausgegangen und musste ein weiteres Mal wiederholt werden. Am 20. Januar 1947 gewann Chelsea das dritte Duell innerhalb von neun Tagen schliesslich mit 2:0, Steffen war der unüberwindbare Rückhalt. Bis ins Jahr 2009 sollte Chelsea im FA Cup den Stadtrivalen Arsenal nie mehr besiegen können. Steffen gab darüber, zwei Jahre vor seinem Tod, als letzter Überlebender der 1947er-Mannschaft,der englischen Zeitung „Evening Standard“ Auskunft. Die Zeitung titelte danach: „Der einzige Spieler, der weiss, wie Arsenal im Cup zu schlagen ist.“
  • Weil er als Pilot der Flugwaffe in der Schweiz die Offiziersschule besuchen musste und weil der elterliche Betrieb und seine Frau es so wollten, war das Abenteuer nach einer Saison schon wieder beendet, trotz einer Offerte von 250 000 Pfund, damals einer halben Million Franken. Bei seinem letzten Auftritt für den FC Chelsea, einem 3:0-Sieg gegen Derby County, durfte er ehrenhalber die Captainbinde tragen. Chelsea beendete die Saison auf Rang 15.
  • Nach drei weiteren Jahren bei Cantonal Neuchâtel wechselte Steffen zu den Berner Young Boys, denen er bis 1960 die Treue hielt und mit denen er unter Trainer Albert Sing das einzigartige Meister-Titelquartett zwischen 1957 und 1960 mitprägte. Dazu wurde YB in Steffens Zeit zweimal Cupsieger, doch weder beim Final 1953 noch bei jenem 1958 (beide gegen GC, beide mit Wiederholungsspiel) stand er auf dem Platz, das Siegerbild von 1958 zeigt ihn in Anzug und Mantel
  • In seiner Zeit bei YB machte er auch kaum mehr Länderspiele. Wie bei der WM-Endrunde 1950 in Brasilien wurde er auch bei der WM im eigenen Land 1954 nicht berücksichtigt. Auch bei YB gab es Saisons, in denen er nurmehr selten spielte. Das hatte auch mit der beruflichen Belastung zu tun. Am 19. Mai 1955 bestritt er, fünf Jahre vor dem Karriereende bei YB, sein letztes Länderspiel in Holland (1:4)
  • Steffen war ein reiner Verteidiger. Weder in seinen 28 Länderspielen noch in seinen 265 Ligaspielen für Cantonal und YB erzielte er jemals einen Treffer
  • Steffen galt später als Entdecker von Alexander Mandziara, der die Berner Young Boys 1986 als Trainer zu ihrem bis heute letzten Meistertitel geführt hat
  • Am 3. Mai 2005 verstarb Steffen, 80-jährig, in Bern. Ihm zu Ehren führt der FC Utzensdorf, sein Stammverein, jedes Jahr den Willi-Steffen-Cup durch