Neun Siege – und noch nicht am Ziel


Noch nie hat die die Schweiz eine Qualifikation für eine EM oder eine WM derart makellos bestritten wie diese für den FIFA World Cup 2018 in Russland. Neun Spiele, neun Siege, das Punktemaximum. Und doch ist sie noch lange 90, vielleicht 270, vielleicht sogar 300 Minuten von einer Qualifikation entfernt. Denn Portugal, der Konkurrent in der Gruppe B, hat nach der 0:2-Startniederlage im Basler St. Jakob-Park im September 2016, wenige Wochen nach dem EM-Titel, auch keine Punkte mehr gelassen – und so hat das Team von Cristiano Ronaldo & Co. am Dienstag im Estadio da Luz in Lissabon die Gelegenheit, mit einem Sieg seine Vorteile im Torverhältnis zum Tragen zu bringen. Das nämlich zählt, ein Anachronismus, der in dieser Qualifikation nur die Holländer noch etwas härter trifft als die Schweizer.

Nun ja, die Voraussetzungen sind seit Wochen bekannt, und sie änderten sich auch nicht mit dem vorletzten Spieltag. Währenddem die Schweizer, begünstigt von einem faden und fehlerhaften Auftritt der bereits ausgeschiedenen Ungarn, zu einem Schaulaufen gegen den einstigen Mitfavoriten in der Gruppe ansetzten und am Ende mit 5:2 gewinnen konnten, taten sich die Portugiesen unverhofft schwer in Andorra. Zur Pause stand es noch immer 0:0 und Ronaldo, der – mit Gelb vorbelastet – eigentlich ebenso geschont werden sollte wie die Schweizer Blerim Dzemaili, Ricardo Rodriguez und Admir Mehmedi in Basel, musste dann doch noch in die grünen Hosen. Es dauerte nicht lange, da hatte er das getan, was seine Kollegen zuvor verpassten – er traf ins Tor und sorgte dafür, dass kurz vor dem „Final“ in Lissabon doch noch ein Ausrutscher alles hätte hinfällig lassen werden können für den Europameister.

Die Schweizer zeigten gegen Ungarn, dass sie kaum in erster Linie auf eine Schwäche des Gegners zu hoffen brauchen, sondern vielmehr, dass sie ausgesprochen sattelfest sind in ihrem Wirken, auch ohne ihren verletzten Aggressivleader Valon Behrami. Sie spielten variantenreich, mit Freude und Lust, sie erzielten jene Tore, die ihnen in den Partien gegen Andorra, Färöer und Lettland nicht ganz in jenem Umfang gelingen mochten wie den Portugiesen – und sie dehnten ihre eindrückliche Siegesserie auf mittlerweile zehn gewonnene Länderspiele aus. Eine Serie, vielleicht für die Ewigkeit. Eine andere brach zwar am Samstagabend in Basel – jene ohne ein Gegentor seit Anfang des Jahres 2017. Yann Sommers Fäuste lenkten die Bälle an ungarische Adressen – und so nahmen die Schweizer, die sich längst ihrese Sieges sicher sein durften und deshalb auch nicht mehr mit allerletzter Spannung unterwegs waren, doch noch zwei Verlusttreffer hin.

Nun also gehts nach Lissbon zum Showdown – mit aller Zuversicht selbstverständlich, aber auch immer noch mit der Gefahr in der zweiten Reihe, am Ende trotz einer Wahnsinns-Qualifikation noch mit leeren Händen dastehen zu können. Die Auslosung der vier europäischen Playoff-Partien findet im Übrigen am 17. Oktober um 14 Uhr in Zürich statt, wobei die Schweiz im Falle eines zweiten Gruppenranges als aktuelle Nummer 7 der FIFA-Rangliste (in die Wertung kommt indes die Rangliste vom 16. Oktober) gesetzt sein dürfte und so sicherlich einem Direktduell mit Italien aus dem Weg gehen würde. Termine für die Playoffs sind der 9.-11. November (Hinspiele) und der 12.-14. November (Rückspiele). Die Auslosung der WM-Endrunde in Russland findet dann am 1. Dezember im Moskauer Kreml statt. Die WM-Endrunde mit 32 Teams ist für den 14. Juni bis 15. Juli 2018 terminiert.

 

FIFA World Cup, Qualifikation, Gruppe B
Schweiz – Ungarn 5:2 (3:0)

7. Oktober 2017, 20.45 Uhr. – St. Jakob-Park, Basel. – 32 018 Zuschauer. – SR Tagliavento (It). – Tore: 18. Xhaka 1:0. 20. Frei (Zuber) 2:0. 43. Zuber (Shaqiri) 3:0. 49. Zuber (Seferovic) 4:0. 58. Guzmics 4:1. 83. Lichtsteiner (Shaqiri) 5:1. 88. Ugrai 5:2.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Moubandje; Freuler (85. Derdiyok), Xhaka; Shaqiri, Frei (73. Zakaria), Zuber; Seferovic (63. Embolo).
Ungarn: Gulacsi; Bese (32. Lang), Guzmics, Kadar, Korhut; Patkai, Elek (56. Markvart); Lovrencsics, Adam Nagy, Varga (69. Sallai); Ugrai.
Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Gelson und Edimilson Fernandes sowie Bürki (alle verletzt). Nicht eingesetzte Schweizer Ersatzspieler: Hitz, Mvogo; Akanji, Lang, Elvedi, Gavranovic sowie Rodriguez, Mehmedi, Dzemaili (alle wegen Gelb-Vorbelastung geschont). Ungarn ohne Dzsudzsak, Fiola (beide gesperrt), Gera, Szalai (beide verletzt). – Verwarnungen: 35. Ugrai (Foul). 44. Elek (Foul).

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