Esther Staubli pfeift EM-Final


6. August 2017. Stadion De Grolsch Veste des FC Twente in Enschede. 27‘093 meist orange gekleidete Zuschauer im ausverkauften Rund machen grossen Lärm. Es ist das Endspiel um die UEFA Women’s EURO 2017. Das Heimteam trifft auf Dänemark. Und mitten im Geschehen stehen Esther Staubli, die Schweizer Schiedsrichterin, und Belinda Brem, ihre Assistentin, die sie erstmals an ein grosses Turnier begleitete. Es ist der vierte Einsatz des Duos an diesem Turnier – und ein weiterer Höhepunkt in der eindrücklichen Karriere Staublis.

Als eine von 29 Schiedsrichterinnen war Esther Staubli schon für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 in Kanada selektioniert worden. Sie absolvierte eine eigene Trainingswoche auf Mallorca, sie besuchte ein FIFA-Seminar unter Leitung des Schiedsrichterverantwortlichen Massimo Busacca und schloss die Vorbereitung mit einem Höhentrainingslager ab. Sie reduzierte ihr Pensum als Lehrerin an der landwirtschaftlichen Berufsschule Inforama Rütti in Zollikofen vorübergehend auf 50 Prozent. Sie investiert viel und erntet vieles.

Staubli pfeift seit vielen Jahren, seit 2006 auch mit FIFA-Status, doch die vier Jahre bis zur EURO 2017 waren zweifellos die erfolgreichsten. Nach der EURO 2013, ihrem ersten Grossanlass bei den aktiven Frauen, leitete sie am 24. September 2014 die Männerpartie zwischen dem FC Wohlen und dem FC Le Mont – es war eine souveräne Premiere in der Schweizer Challenge League. In dieser Spielklasse spürte sie, dass es in Sachen Professionalität und Spielgeschwindigkeit nochmal um eine Stufe weiter nach oben ging.

Dank ihrer mittlerweile langjährigen Erfahrung auf internationalem Parkett gehört sie mittlerweile zu den Top-Schiedsrichterinnen, die auch bei Grossanlässen bis zum Ende auf der „Ziehliste“ steht. Das war in der Women’s Champions League 2014/2015 so, als sie mit der Leitung des Finals zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain betraut wird, und mit Belinda Brem und Susanne Küng zwei Assistentinnen aus der Schweiz mitbringen durfte. Es ist in Berlin ein weiteres Highlight – kurz vor ihrer Abreise zur Weltmeisterschaft nach Kanada. Eine Premiere, die einen Hintergrund hatte. Sie wäre auch 2011 bei der WM in Deutschland schon mit dabei gewesen, doch ein Ermüdungsbruch zwang sie zum vorzeitigen Abbruch der Übung. Es war einer der ganz wenigen Rückschläge in der ansonsten kontinuierlich nach oben verlaufenden Karriere.

Seit der WM 2015 geht es weiter aufwärts, sie pfiff auch am Frauenturnier der Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien. Und wurde nun mit dem Final der EURO 2017 in Holland betraut. 16 Jahre nach Nicole Petignat, die 2001 in Ulm vor 18 000 Zuschauern den Final zwischen Deutschland und Schweden arbitrierte und zu ihrer Zeit die bisher einzige Schiedsrichterin der Schweiz war, die Spiele in der obersten Liga leiten durfte. Wie sie wird sich auch Esther Staubli in den Kreis der international erfolgreichsten Schiedsrichter der Schweiz – und wird dereinst wohl in einem Atemzug mit einem Urs Meier oder Massimo Busacca genannt werden müssen, die bei den Männern höchste Würden erreicht hatten. Die frühere Altersbeschränkung von 45 Jahren für Schiedsrichterinnen gibt es nicht mehr, Staubli blieben noch etliche Jahre, in denen sie sich auf höchstem Niveau bewegen könnte.

Die Highlights in der Karriere von Esther Staubli

UEFA Women’s EURO 2017 in Holland
19. Juli 2017 Vorrunde England – Schottland
25. Juli 2017       Vorrunde            Schweden – Italien
30. Juli 2017       Viertelfinal        England – Frankreich
6. August 2017  Final                     Holland – Dänemark

UEFA Women’s EURO 2013 in Schweden
13. Juli 2013 Vorrunde Italien – Dänemark
17. Juli 2013       Vorrunde            Deutschland – Norwegen
24. Juli 2013       Halbfinal             Schweden – Deutschland

FIFA Women’s World Cup 2015 in Kanada
9. Juni 2015 Vorrunde Brasilien – Korea
22. Juni 2015      Achtelfinal         Norwegen – England

Olympische Sommerspiele 2016 in Brasilien
6. August 2016 Vorrunde Südafrika – China
9. August 2016  Vorrunde            Australien – Zimbabwe

FIFA Women’s U20 World Cup 2014 in Kanada
5. August 2014 Vorrunde China – Brasilien
12. August 2014               Vorrunde            Nordkorea – Kanada

FIFA Women’s U20 World Cup 2012 in Japan
4. September 2012 Vorrunde USA – Nigeria

FIFA Women’s U17 World Cup 2010 in Deutschland
9. September 2010 Vorrunde Ghana – Brasilien
12. September 2010       Vorrunde            Mexiko – Südafrika

UEFA Women’s Champions League (ab Viertelfinal)
20. März 2011 Viertelfinal Linköpings FC – Arsenal FC
23. März 2013                    Viertelfinal        Olympique Lyon – LdB FC Malmö
27. April 2014                    Halbfinal             Turbine Potsdam – VfL Wolfsburg
28. März 2015                    Viertelfinal        FC Rosengard – VfL Wolfsburg
14. Mai 2015                      Final                      FFC Frankfurt – Paris St-Germain in Berlin
29. April 2017                    Halbfinal             Olympique Lyon – Manchester City

 

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