Ely Tacchella ist verstorben


Ely Tacchella war als Teil der berühmten „Könige der Nacht“ (Seigneurs de la nuit) von Lausanne-Sports fürs Nationalteam 1962 und 1966 an der WM-Endrunde mit dabei. Beruflich war er als Sektionschef und später Leiter des Sportamts in Neuenburg stark eingebunden. Später engagierte sich das Sprachtalent auch ein Vierteljahrhundert als Präsident der „Freunde der Nationalmannschaft“. Am 2. August 2017 ist er im Alter von 81 Jahren verstorben. Zu seinen Ehren publizieren wir unser Porträt aus dem „Goldenen Buch des Schweizer Fussballs“ aus dem Jahr 2014.

Ely Tacchella war immer ein Mann mit viel Lebenskraft und Energie. Mit noch nicht 17 Jahren gab der Mann mit Tessiner Wurzeln sein Debüt in der Nationalliga B – für Cantonal Neuchâtel, das damals noch weit von der späteren Fusion mit Xamax entfernt war. Als Flügelstürmer beeindruckte in erster Linie seine Schnelligkeit. Doch es dauerte sieben Jahre, ehe Tacchella die nächste sportliche Herausforderung annahm. Bei Lausanne-Sports liess er sich ab 1960 zum Abwehrspieler umschulen. Dies gab seiner Karriere den entscheidenden Schub und lancierte nun auch seine Laufbahn in der Nationalmannschaft, für die er am 20. Mai 1961 im wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen Belgien in Lausanne erstmals auflief.

Die nächsten drei Länderspiele brachten drei Begegnungen mit Schweden, nach dem 0:4 in Stockholm gewannen die Schweizer in Bern sensationell 3:2. Die beiden Teams standen am Ende punktgleich an der Tabellenspitze der Qualifikationsgruppe für die WM 1962 in Chile, ein Entscheidungsspiel auf neutralem Terrain wurde nötig. Tacchella und seine Kollegen traten am 12. November 1961 in Berlin als klarer Aussenseiter an, die Schweden waren 1958 im eigenen Land WM-Zweiter geworden und galten als hoher Favorit. Tachella bearbeitete den linken Flügel und sah, wie die Schweizer durch zwei Standards den 0:1-Rückstand zur Pause noch wettmachen konnten und mit einem 2:1 das WM-Ticket lösten. An dieser Endrunde 1962 machte Ely Tacchella alle drei Schweizer Vorrundenspiele mit, konnte aber die Niederlagen gegen den Gastgeber Chile (1:3), Deutschland (1:2) und Italien (0:3) nicht verhindern. Die Schweizer schieden vorzeitig aus.

Mit den „Königen der Nacht“

Am 23. April 1962 war Tacchella mit Lausanne-Sports erstmals in einem Schweizer Cupfinal gestanden. Das Spiel gegen die AC Bellinzona war ein spezielles. 0:0 stand es trotz klarer Überlegenheit der Waadtländer nach 90 Minuten, doch in der Verlängerung fielen noch vier Tore für Lausanne. Tachella sorgte in der Abwehr dafür, dass gegen die unbeschwert aufspielenden Tessiner nichts anbrannte. 1964 kamen 51 000 Zuschauer zum Cupfinal zwischen Lausanne und La Chaux-de-Fonds ins Berner Wankdorf. Wieder gewann Lausanne, diesmal nach regulärer Spielzeit, ohne Gegentreffer mit 2:0.

1965 wurde Ely Tacchella zum einzigen Mal Schweizer Meister. Mit den berühmten „Königen der Nacht“ (Les seigneurs de la nuit) von Lausanne-Sports wurde die Meisterschaft mit vier Punkten Vorsprung vor den Berner Young Boys gewonnen. Die Betitelung war durchaus doppeldeutig, die Lausanner waren stark in den Nachtspielen auf der flutbelichteten Pontaise, wussten ihre Erfolge aber in langen Nächten auch gerne und ausgiebig zu feiern. Mit seinen Clubkameraden Heinz Schneiter, André Grobéty oder Richard Dürr feierte er auch im Nationalteam seine Erfolge. „Niemand wird dieses Lausanner Team jemals vergessen“, sagte Tacchella noch 2013.

Sektions- und Sportamtchef

Tacchella stand nicht nur als Fussballer, sondern auch im Beruf und im Militär seinen Mann. Sein Vielsprachigkeit kam ihm dabei entgegen. Als Mann mit Tessiner Wurzeln sprach er früh Französisch und Italienisch. Zwei Jahre arbeitete er in Zürich bei der „Neue Warenhaus AG“ und lernte zusätzlich Deutsch. Dazu kam das Englische. Im Militär schaffte er es bis zum Hauptmann und war auch Sektionschef und Leiter der Militärbehörden in Neuenburg – eigentlich ein Bürojob, der ihm eigentlich als Naturliebhaber nicht entgegenkam. Doch er organisierte sich mit seinen Mitarbeitenden so, dass er ständig in den Dörfern seines Bezirks unterwegs sein und die Kontakte pflegen konnte. Später übernahm er die Leitung des Neuenburger Sportamtes und der kantonalen Sport-Toto-Kommission. Dank seiner Vitalität brauchte er neben seinen militärischen und beruflichen Herausforderungen auch eine beeindruckende sportliche Karriere unter Dach und Fach. Das, und seine zahlreichen Ämter führten dazu, dass er vom Musikverein in Colombier zum Ehrenmitglied ernannt wurde – obwohl er nie ein Instrument spielte…

An der WM 1966 rutschte Tacchella im ersten WM-Gruppenspiel gegen Deutschland nach der „Nacht von Sheffield“, die drei interne Sperren nach sich zog, kurzfristig in die Startformation. Beim klaren 0:5 machte Tacchella sein viertes und letztes WM-Spiel, in den beiden anderen Partien gegen Spanien und Argentinien wurde er nicht mehr berücksichtigt. Dennoch folgten der WM 1966 ab Januar 1967 noch 20 weitere Länderspiele Tacchellas, nun sogar als Captain der Nationalmannschaft

Hüftoperation im Karriereherbst

Tacchella erlebte am 15. Mai 1967 den „Skandal-Cupfinal“ Lausannes gegen Basel. Nach einem kurz vor Schluss diktierten und von Helmut Hauser zum 2:1 verwandelten Foulpenalty traten die Lausanner in den legendären Sitzstreik und nahmen das Spiel nicht wieder auf. Es wurde später forfait zugunsten des FC Basel gewertet. Tacchella agierte in jener Partie als Libero, es sollte sein letzter Cupfinal gewesen sein. Ende 1969 musste er seine internationale Karriere, auch wegen langwierigen Hüftbeschwerden, aufgeben. Eine Fraktur in diesem Bereich war lange nicht erkannt worden und musste nun operativ bereinigt werden. Bis 1971 spielte er noch für Neuchâtel Xamax in der Nationalliga B.

Er widmete sich fortan dem Präsidium des „Clubs der Freunde der Nationalmannschaft“, den Karl Rappan 1960 gegründet hatte und bei dem Tacchella Ehrenmitglied wurde. Bis zu 5000 Mitglieder hatte diese Vereinigung in ihrer Blütezeit, Tacchella war 25 Jahre der Präsident. Nach der Pensionierung pflegte er auch das Familienleben und ging leidenschaftlich gerne mit seinen Hunden spazieren. Am 2. August 2017 verstarb er an seinem Wohnort Colombier.

 

Ely Tacchella

*25. Mai 1936
† 2. August 2017

Position: Mittelfeldspieler

Nationalmannschaft:
Erstes Länderspiel: 20. Mai 1961 gegen Belgien in Lausanne (2:1)
Letztes Länderspiel: 15. Oktober 1969 gegen Griechenland in Thessaloniki (1:4)
42 Länderspiele, 0 Tore
WM-Teilnahmen: 1962, 1966

Vereinsstationen:
1948-1960 Cantonal Neuchâtel
1960-12/1969 Lausanne-Sports
1/1970-1971 Neuchâtel Xamax (NLB)

Vereinserfolge:
Schweizer Meister 1965 (mit Lausanne-Sports)
Schweizer Cupsieger 1962, 1964 (mit Lausanne-Sports); weitere Finalteilnahme 1966 (mit Lausanne-Sports; Sitzstreik)
Total 221 Spiele in der NLA, 5 Tore
Teilnahme Europacup der Landesmeister 1965/66 (mit Lausanne-Sports; Vorrunde)
Teilnahme Europacup der Cupsieger 1962/63 (mit Lausanne-Sports; Achtelfinals), 1964/65 (mit Lausanne-Sports; Viertelfinals), 1967/68 (mit Lausanne-Sports; 1. Runde)
Teilnahme Messestädte-Cup 1961/62 (mit Lausanne-Sports; Achtelfinal), 1963/1964 (mit Lausanne-Sports; Achtelfinal), 1966/67 (mit Lausanne-Sports; Sechzehntelfinal), 1968/69 (mit Lausanne-Sports; 1. Runde)

 

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