Der verpasste Matchball


Es war eine Art Matchball, den die Schweizer beim letzten Spiel der WM-Qualifikationsgruppe B in Lissabon gegen Europameister Portugal hatten. Advantage, Switzerland – sozusagen. Denn den Schweizern hätte schon ein Remis gereicht, um nach einer makellosen Kampagne die Gruppe als Sieger zu beenden und sich somit den Direktplatz für die WM 2018 in Russland zu sichern. „Wir sind unfähig, auf Unentschieden zu spielen“, sagte Nationaltrainer Vladimir Petkovic am Tag vor der Partie. Doch so, wie die Schweizer dann auftraten, taten sie eigentlich genau dies, ob geplant oder ungeplant. Sie bauten auf ein sicheres Fundament, was grundsätzlich keine schlechte Idee war gegen die Portugiesen, die ja im Zugzwang waren. Sie betrieben kaum Fore-Checking, sie machten die Räume in der eigenen Platzhälte eng – und ja, 40 Minuten lang hat das recht ordentlich geklappt.

Den Portugiesen gelang nicht wirklich viel, und als dann Bernardo Silva plötzlich halblinks allein vor Sommer stand, da war das eher ein Zufallsprodukt nach einem Prellball. Yann Sommer wusste den Schuss mit einem guten Reflex zu entschärfen. Ein paar Minuten später stand es dennoch 1:0 für die Portugiesen. Eliseu spielte scharf vor das Schweizer Tor, dort trafen André Silva, Yann Sommer und Johan Djourou mit verschiedenen Absichten auf kleinster Fläche aufeinander, am Ende sprang der Ball Djourou ans Bein und von dort ins Schweizer Tor. Eine unglückliche Geschichte, aber letztlich die entscheidende. Denn von nun an hatten die Portugiesen den Wind im Rücken – und die Schweizer wussten irgendwie nicht mehr, wie sie mit dieser Situation nun umzugehen hatten.

Und als nach 57 Minuten das zweite Tor der Portugiesen fiel – zu einfach hatten sie sich durch den Schweizer Strafraum kombiniert – da war die Sache gelaufen. Es dauerte nochmals zehn Minuten, ehe Vladimir Petkovic personell auf Offensive umschaltete, doch zu sehen war davon nicht zu viel. Es gab, bis auf einen Freistoss Shaqiris und einen verpassten Ablenker Seferovic‘ eigentlich keine Schweizer Chance, bei der man hätte sagen können, sie hätte ein Tor zur Folge haben können. Die Entschlossenheit, die Spielfreude, der Wille, ein Signal zu setzen – all das, was die Schweizer im Spiel gegen Ungarn (gegen einen zugegebenermassen natürlich qualitativ geringer einzustufenden Gegner) noch ausgezeichnet hatte, es fehlte an diesem Abend im Estadio da Luz. Und so holten sich die Portugiesen kurz vor der Ziellinie den direkten WM-Platz und die Schweizer müssen in die Playoffs.

Das wird kein einfacher Gang – denn alles, was die Schweizer in der Qualifikation geschafft haben, wird für diese beiden Partien gestrichen. Es zählen keine Punkte mehr, keine Serie mit zehn Länderspielsiegen mehr, keine guten Eindrücke. Es zählen nur diese zwei Spiele. Selbst der Vorteil, dass man sich aufgrund der guten FIFA-Weltranglistenposition zu den gesetzten Teams zählen darf, ist bis auf den Umstand, dass man Italien aus dem Weg gehen kann, überschaubar. Das Heimrecht wird ebenso ausgelost wie der Gegner, der entweder Schweden, Dänemark, Irland oder Griechenland sein wird (Verschiebungen sind aufgrund der neuen FIFA-Rangliste vom 16. Oktober 2017 noch möglich). Die Auslosung findet am 17. Oktober um 14.00 Uhr im FIFA-Haus auf dem Zürichberg statt. Und niemand weiss so recht, welcher Gegner den Schweizern im November am besten behagen würde. Es wird wohl so sein, wie es hätte in Portugal sein müssen: die Schweizer müssen in erster Linie auf sich achten.

 

FIFA World Cup, Qualifikation, Gruppe B
Portugal – Schweiz 2:0 (1:0)

10. Oktober 2017, 20.45 Uhr (19.45 Uhr Ortszeit). – Estadio da Luz, Lissabon. – 61 566 Zuschauer. – SR Cakir (Tür). – Tore: 41. Djourou (Eigentor) 1:0. 57. André Silva (Bernardo Silva) 2:0.
Portugal: Rui Patricio; Cédric, Pepe, José Fonte, Eliseu (68. Antunes); William Carvalho; Bernardo Silva, João Mario (91. Danilo), Moutinho; André Silva (75. André Gomes), Cristiano Ronaldo.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Freuler (46. Zakaria), Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (66. Zuber), Mehmedi (66. Embolo); Seferovic. – Nationaltrainer: Vladimir Petkovic
Bemerkungen: Portugal komplett; Schweiz ohne Behrami, Bürki, Gelson und Edimilson Fernandes (alle verletzt). Nicht eingesetzte Schweizer Ersatzspieler: Hitz, Mvogo; Moubandje, Elvedi, Akanji, Lang, Gavranovic, Frei, Derdiyok. – Verwarnungen: 27. Freuler (Handspiel). 41. Eliseu (Foul). 70. Zakaria (Foul). – Mit dieser Niederlage endet die Schweizer Rekordserie von 10 Länderspielsiegen.

FIFA World Cup, Qualifikation, Gruppe B
Schlussklassement
1. Portugal 10 9 0 1 32:4 27
2. Schweiz 10 9 0 1 23:7 27
3. Ungarn 10 4 1 5 14:14 13
4. Färöer 10 2 3 5 4:16 9
5. Lettland 10 2 1 7 7:18 7
6. Andorra 10 1 1 8 2:23 4

Portugal aufgrund der besseren Tordifferenz direkt am FIFA World Cup 2018 in Russland. Die Schweiz als einer der acht besten Gruppenzweiten in den Playoffs.

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