Der Europameister kommt nach Basel


Portugal. Portugal? Portugal! Ja, sie haben es tatsächlich geschafft. Erstmals in ihrer Verbandsgeschichte haben die Portugiesen einen grossen Titel errungen. Mit einer Mannschaft, der weniger Kredit eingeräumt worden war als jener bei der EURO 2004 im eigenen Land. Natürlich mit Ausnahmekönner Cristiano Ronaldo, der im Final im Stade de France nach einem Foul von Dimitri Payet schon nach acht Minuten angeschlagen war und dann – nach zwei Behandlungspausen – in der 25. Minute unter Tränen das Feld räumen musste. Nach einer Vorrunde mit drei Unentschieden gegen Island, Österreich und Ungarn. Mit einem ultradefensiv geführten Achtelfinal gegen Kroatien, mit einem Viertelfinal gegen Polen, der erst im Penaltyschiessen entschieden wurde. Mit einem Halbfinal gegen Wales.

Und dann der Final in Saint-Denis. Gegen den hohen Favoriten Frankreich, der gleich zu Beginn der Partie ein Feuerwerk an Offensive zündete, die Portugiesen nach hinten drängte, zahlreiche Chancen hatte. Die Franzosen waren laufstärker, aggressiver und auch spielerisch überlegen. Die Portugiesen wehrten sich bloss, aber daran hatten sie sich im Verlauf dieses Turniers gewöhnt. Doch ihre Rechnung ging nun auch auf, als ihr Captain Ronaldo nicht mehr dabei war. Mehr und mehr verloren die Franzosen ihre Linie, mehr und mehr kamen die Portugiesen auf. In der Verlängerung waren sie das bessere Team, sie hatten noch mehr Benzin im Kanister. Die Franzosen zerbrachen am Druck, sie waren nicht mehr so frisch, vielleicht war es jener Tag weniger Erholung, der sich nun bemerkbar machte. Es kam die 109. Spielminute, Ederzito Antonio Macedo Lopes, kurz: Eder, nahm sich den Ball, er lief, wurde ungenügend bedrängt, er schoss flach, der Ball landete im Tor, es war die Entscheidung.

Portugal Europameister. Cristiano Ronaldo war zur Verlängerung hin zur Bank zurückgekehrt, doch dort hielt es ihn nicht lange. Er fuchtelte in der technischen Zone, die eigentlich dem Trainer Fernando Santos vorbehalten ist, wie wild herum, gab Anweisungen, motivierte, schubste. Er wollte diesen Titel so sehr, seine Rolle war anders geplant, doch nun schlüpfte er in eine neue. Am Ende zog er sich das Trikot mit der Nummer 7 über, er übernahm von Nani wieder die Captainbinde und auf der Tribüne nahm er den Pokal entgegen.

Was für ein Drama, das für vieles entschädigte, das an diesem Abend ein EM-Final fussballerisch vielleicht weniger hergegeben hatte … Nun ist Portugal das beste Team Europas. Der Weg in Frankreich hätte das Team auch mit der Schweiz zusammenführen können, hätten die Rot-Weissen den Viertelfinal anstelle der Polen erreicht. Zu spekulieren, wie dann alles herausgekommen wäre, ist müssig. Doch es gibt schon bald die Gelegenheit, sich zu messen, im nächsten Wettbewerb, der Qualifikation zur WM 2018 in Russland. Am 6. September 2016 kommen Ronaldo und Co als frischgebackene Europameister in den Basler St. Jakob-Park zum ersten Spiel der Gruppe B.

Was für ein Knaller zum Auftakt. Und für die Schweizer die Gelegenheit, ein ganz grosses Ausrufezeichen zu setzen. Es werden viele Portugiesen im Stadion sein, aus der ganzen Schweiz, aus dem benachbarten Ausland, um ihre Helden persönlich im Leben nach der EURO zu begrüssen. Es ist eine heikle, aber auch eine reizvolle Aufgabe für die Schweiz, die ihren positiven, an der EURO eingeschlagenen Weg fortsetzen möchte.

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