Das goldene Tor


Der 1:0-Sieg gegen Lettland unterstreicht die makellose Bilanz der Schweiz in der laufenden WM-Qualifikation. Der jüngste Erfolg ist ein Produkt aus Geduld, Reife, gesteigerter Leidenschaft und Geschlossenheit. Und natürlich war es der Abend des Josip Drmic, der 93 Sekunden nach seiner Einwechslung mit seinem ersten Ballkontakt den entscheidenden Treffer markierte.

Und dann kam Josip Drmic. 65 Minuten waren gespielt. Es war nicht einfach ein Wechsel eines Stürmers für einen Stürmer. Nein, Gelson Fernandes musste gehen, Nationalcoach Vladimir Petkovic sah die Zeit gekommen, um auch in Sachen Aufstellung eine Umstellung zu tätigen, ein Zeichen zu setzen. Die Schweizer waren mit deutlich mehr Leidenschaft, mit mehr Spieltempo und Entschlossenheit in diese zweite Halbzeit gegen Lettland gestartet, sie hatten in der 48. Minute eine grosse Chance durch Xherdan Shaqiri, der acht Meter vor dem Tor so viel Zeit hatte wie selten, dann aber mit seinem Flachschuss zu wenig platziert war und Torhüter Andris Vanins die problemlose Abwehr ermöglichte.

Und nun also Josip Drmic, der Offensivmann, der aufgrund seiner Verletzung am Knie lange kein Länderspiel gemacht hatte, nun, nach seinem Comeback und einigen Einsätzen bei Borussia Mönchengladbach wieder im Aufgebot stand. 93 Sekunden war er auf dem Feld, als er die wichtigste Aktion des Abends abschloss. Blerim Dzemaili hatte auf der linken Flanke mit einem präzisen Zuspiel Admir Mehmedi gefunden, der flankte butterweich und bestens getimt zur Mitte, dort stieg Drmic hoch und köpfelte den Ball wuchtig ins lettische Tor. 1:0. Endlich. Eine Erlösung, wie sie oft lange erduldet werden muss in solchen Spielen gegen Mannschaften, die kompakt stehen, die defensiv arbeiten, die einem wenig schenken, die einem das Leben sehr schwer machen können.

Die Schweizer haben reichlich Erfahrung in dieser Hinsicht. Sie mühten sich auch schon gegen Andorra in dieser WM-Qualifikationsgruppe, gewannen bloss 2:1. Sie mühten sich etwas weniger gegen die Färöer. Sie kennen die Erfahrung aus Partien gegen Estland, gegen Litauen, und wie sie alle heissen. Undbankbare Aufgaben, die viel Geduld erfordern und die Gewissheit, dass auch nach vielen vergeblichen Anläufen der Glücksmoment kommen kann.

Die Schweizer hatten viele vergebliche Anläufe an diesem Samstagabend in Genf. Mehmedi und der doch etwas unscheinbare Haris Seferovic scheiterten schon in der 19. Minute mit ihren Versuchen am lettischen Wadenwald, François Moubandje sah seinen Schuss von Vanins über die Querlatte gelenkt, auch Granit Xhaka hatte aus der Distanz wenig Abschlussglück. Die Schweizer waren besser, ohne Zweifel, sie bemühten sich, doch die Chancen trugen stets das Prädikat „naja“.

Es musste eine Steigerung her in der zweiten Halbzeit, und diese kam. Nach der Führung kamen Steven Zuber an der linken Flanke und Remo Freuler zu ihren Länderspielpremieren. Sie zeigten, dass sie nun ebenfalls zum wachsenden Stamm valabler Nationalspieler gehören, Zuber hatte einige gute Momente, Freuler stabilisierte das Gefüge, als es darum ging, nicht durch eine defensive Unachtsamkeit das Erarbeitete zu gefährden.

Dzemaili hätte später zwingend noch das zweite Tor machen müssen, bei einem mustergültigen Konter hatte er das breite Tor vor sich, traf aber den Ball nicht gut. Es machte nichts mehr aus, fürs Torverhälntnis arbeiten die Schweizer ohnehin nicht in dieser Qualifikation, sondern bloss für di ePunkte. Und die sind es doch, die entscheidend sind.

Schweiz – Lettland 1:0 (0:0)

25. März 2017, 18.00 Uhr. – Stade de Genève. – 25’000 Zuschauer. – SR Besborodow (RUS). – Tor: 66. Drmic (Mehmedi) 1:0.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Moubandje; Gelson Fernandes (64. Drmic), Xhaka; Shaqiri (77. Zuber), Dzemaili, Mehmedi; Seferovic (84. Freuler).

Lettland: Vanins; Freimanis, Jagodinskis, Gorkss, Solovjovs; Laizans; Visnakovs (57. Gabovs), Lazdins (77. Gutkovskis), Kluskins, Davis Ikaunieks (69. Rakels); Sabala.

Bemerkungen: Schweiz ohne Rodriguez, Behrami, Embolo, Derdiyok und Zakaria (alle verletzt). Nicht eingesetzte Schweizer Ersatzspieler: Bürki, Hitz; Lang, Lacroix, Widmer, Steffen, Edimilson; Lettland ohne Maksimenko (gesperrt) und Rudnevs (familiäre Gründe). –  Erste Länderspiele von Steven Zuber und Remo Freuler. – Verwarnungen: 28. Lazdins (Foul). 49. Fernandes (Foul). 52. Schär (Foul; im nächsten WM-Qualifikationsspiel gesperrt). 54. Freimanis (Foul). – Ballbesitz: 63:37%. – Torschüsse: 21:6 (7:1 aufs Tor).

 

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